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Schoßjacke mit Blüten- und Wellenranken

Ident. Nr.: 2003,KR 26

ObjID: obj:896223

Details (Expert)

Datierung
um 1750
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Frankreich
Abmessungen
Länge: vorn 38,5 cm
Länge: hinten 34,5 cm

Objektbeschreibung

Der Reiz dieser Schoßjacke liegt in der Kombination von femininem Stoff und Ausputz mit einem am männlichen Habit orientierten Schnitt. Das cremefarbene Seidengewebe mit strukturiertem Grund, Cannetillé, zeigt wellig aufsteigende Bänder mit kleinen blauen Blüten, die Kanten der Bänder sind von feinen grünen Ranken und weißen Blüten konturiert. Daraus wachsen geschwungene Rosensträuße empor. Blüten und Blätter sind in dreierlei Rosatönen und zwei unterschiedlichen Grüntönen fein gezeichnet.
Beim Zuschnitt der Jacke mit anliegendem Rücken wurde höchste Sorgfalt auf die achsensymmetrische Aufteilung des Musters gelegt, sodass trotz der Verwendung oft kleinerer Gewebeteile ein harmonisches Gesamtbild entstand. Dies zeigt deutlich die Musteranordnung auf den abstehenden, „en raquette“ endenden Flügelmanschetten. Die Kanten der Manschetten sind mit farblich passendem Posamentenbesatz – kleinen, zu Blüten angeordneten „Fliegen“ – verziert. Hierfür wurden lose umeinander gewundene Seidengarne an einem schmalen Bändchen fixiert, geknotet und vor dem Knoten abgeschnitten. Dadurch springen die Enden der Fasern auf und ergeben die luftigen Gebilde.
Die Jacke ist im Rücken neben der Mittelnaht mit zwei Fischbeinstäben leicht versteift und vollständig gefüttert. Ihre kurzen, rundum angesetzten Schöße sind, wie die der Herrenröcke, seitlich in Falten gelegt und wie diese am Ansatz mit einem Zierknopf markiert. Eine zwischen Oberstoff und Futter eingearbeitete leichte Versteifung verleiht den Schößen ihre graziös abstehende Form. So wird die schmale Taille besonders hervorgehoben.
Auch die auf den vorderen Schößen aufgesetzten Taschenpatten wurden als Zierelement der Herrenmode entlehnt. Sechs Knöpfe entlang der vorderen Ausschnittkanten dienten einer dekorativen Schnürung über dem Stecker. CW

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa