Logo

Schreibtisch für die Postsparkasse Nr. 8159/1

Ident. Nr.: W-1988,54

ObjID: obj:897081

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Wagner (1841 - 1918),
Entwerfer*in
Gebrüder Thonet (gegr. 1819),
Ausführung
Datierung
1906
Abmessungen
Objektmaß: 109 x 107 x 66 cm

Objektbeschreibung

Otto Wagner entwarf den Schreibtisch für den Bau der Postsparkasse in Wien, die als sein ästhetisches und technisches Meisterwerk gilt. Unter der Verwendung neuester Werkstoffe wie Stahlbeton und Aluminium schuf er eine zeitgemäße Formensprache für die veränderten Bedürfnisse und Anforderungen der Jahre um 1900. So wurde den neuen Errungenschaften entsprechend die Schalterhalle mit Dampf beheizt, ebenso wie deren Glasdach, um es von Eis und Schnee freizuhalten.
Das Modell des Schreibtisches mit Aufsatz war für die Großraumbüros vorgesehen und ist entsprechend einfach ausgestattet. Das Dekor beschränkt sich auf Aluminium, das sich effektvoll vom dunklen Ton des Holzes absetzt und konstruktive Details betont. Wagner wählte strapazierfähiges Linoleum für die Tischplatte. Den Werkstoff Aluminium, den er bei den Möbeln gebrauchte, um neben der Verzierung und Verdeckung von Schrauben, auch Gebrauchsspuren zu vermeiden, setzte er ähnlich im Gebäude großflächig bei Türbeschlägen, Beleuchtungskörpern, Heizungsgittern oder Pfeilerverkleidungen ein. Nicht zuletzt bevorzugte er Aluminium als sichtbares Metall, da es nicht geputzt zu werden braucht. Der Schreibtisch entspricht in seiner Materialität und schlichten Form ganz Otto Wagners Grundsätzen für die Innenausstattung der Postsparkasse, die Einfachheit mit praktischer Solidität verbinden und ohne Reparaturen und Aufwand sauber zu halten sein sollte. STh

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa