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Vierpass-Scheibe mit Wappen der Reichsstadt Nürnberg, Minneszenen und Narr am Brunnen

Ident. Nr.: 1907,165

ObjID: obj:898001

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Veit Hirschvogel (der Ältere) (1461–1525),
Glasmaler*in
Entwurf: Hausbuchmaler,
Maler*in
Datierung
um 1508
Abmessungen
Durchmesser x Tiefe: 32,0 x 0,9 cm

Objektbeschreibung

Die Rundscheibe besteht aus einem Wappenschild in der Mitte, vier an diesen anschließenden Passfeldern, kleinen Zwickeln zwischen ihnen und
einem umlaufenden, von den Passfeldern überschnittenen Rand. Der halbierte Wappenschild mit dem doppelköpfigen, gezungten Reichsadler in der linken sowie drei roten und drei weißen Schrägbalken in der rechten Hälfte zeigt das sogenannte Kleine Wappen der Stadt Nürnberg, wie es seit etwa 1350 nachweisbar ist. Die vier Passfelder (oben beginnend und im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen vier Szenen eines Liebesgartens: Auf Feld 1 deckt eine Frau einen Tisch im umzäumten Garten, auf Feld 2 steht ein junges Paar in einem Garten zu Seiten eines mit Fruchtschale und Becher gedeckten Tisches und speist, auf Feld 3 kniet ein Brot essender Narr vor einem Brunnen, dessen Wasserstrahl eine bauchige Kanne, vermutlich mit Wein, kühlt, auf Feld 4 reiten ein junger Mann und eine Frau, die eine Blume hält, gemeinsam auf einem Pferd700. In Feld 1 scheint das Vorbereiten des Tisches das zentrale Motiv zu sein. Das Paar in Feld 2 nähert sich einander, wobei der Mann der Verführer ist. Der Brunnen in
Feld 3, der allgemein als Symbol für das reine Gefühl der Liebenden zueinander steht, erscheint durch den essenden Narr und die Weinkanne als moralisierender Hinweis auf mögliche Laster und kann auch als Sinnbild für die Torheit der Liebe stehen. Das reitende Paar auf Feld 4 kann, auch weil es aus dem größeren Zusammenhang einer Jagd stammt (s. u.), als Allegorie der Minne verstanden werden.
Die Darstellungen der Passfelder erscheinen als in nur wenigen Einzelheiten veränderte, stilistisch gering abgewandelte Wiederholungen zweier, vermutlich wenig älterer Rundscheiben, die dem Hausbuchmeister zugeschrieben und in die Zeit um 1490 datiert werden. Thematische Entsprechungen dieser Scheiben finden sich in Druckgraphiken und Zeichnungen, die um 1480/90 datiert und in Werkstätten zwischen Mittel- und
Oberrhein lokalisiert werden. Verschiedene Stiche mit Liebesgärten des Meisters E.S. (L. 207, 214f.) sind frühe Beispiele für Liebesgärten mit Paaren, Brunnen und Narren. Das Liebespaar am Tisch auf Feld 2 findet sich ähnlich in einem Rundstich des vermutlich um 1480 in Frankfurt am Main tätigen Monogrammisten b x g. Auf verschiedenen Liebesgärten sind Brunnen und in Wannen gekühlte Weinkannen zu finden, die zusammen mit dem Narren in den genannten Stichen des Meisters E.S. das thematische Vorbild für Feld 3 gewesen sein könnten. Das reitende Paar in Feld 4 findet sich an der selben Stelle in einem um 1475 datierten Riss und einer danach entstandenen Scheibe, die in den Umkreis des Hausbuchmeisters
verwiesen werden, sowie vorgebildet in einem um 1485/90 angesetzten Stich, der dem am Mittelrhein tätigen Meister des Amsterdamer Kabinetts zugeschrieben wird.
Die überwiegend aus weißen Gläsern, vermehrt um rote und blaue Scherben, bestehende Scheibe lebt vor allem vom Zusammenspiel von variiertem Silbergelb mit unterschiedlichen Braun- und Schwarzloten. Frei gelegte Stellen bedeuten Höhungen der Objekte im Licht, gewischte Lote und Schraffuren schaffen Plastizität. Dabei zeugt der Einsatz der negativen wie positiven Mittel, die insgesamt zeichnerisch eingesetzt sind, von sicherem Umgang, aber insgesamt etwas steifer Umsetzung einer älteren Vorlage, die auch einer anderen Scheibe zugrunde liegt.
Für eine Datierung in die Zeit um 1508 wie für die Ausführung dieser und der zugehörigen Scheiben (Inv. Nr. 1907,163-165) in der Hirsvogel-Werkstatt spricht die Nähe zu der 1508 datierten Scheibe mit Turnierszenen nach Entwurf des Hans von Kulmbach in The Walters Art Museum Baltimore (Acc. 46.76).
CVMA 98711

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Bildnisbüste der Kronprinzessin Luise von Preußen

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Die Bildnisbüste der preußischen Kronprinzessin Luise (1776-1810) geht auf einen Entwurf von Johann Gottfried Schadow aus dem Jahr 1795 zurück. Vermutlich im Zuge der Vorbereitung für seine „Prinzessinnengruppe“ (Doppelstandbild der Schwestern Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz, vgl. KGM Inv. Nr. 1909,113 und 1998,13) entstanden zwei Bildnisbüsten in Terrakotta, jeweils von Luise und von Friederike, die mit dem Doppelstandbild übereinstimmen. Vorausgegangen war im Herbst 1794 eine von Staatsminister Friedrich Anton von Heinitz (1725–1802) vermittelte Porträtsitzung, bei der Schadow Bildnisstudien von den beiden Prinzessinnen angefertigt hatte. Die Terrakottabüste von Friederike ist noch in der Alten Nationalgalerie SMB erhalten, diejenige von Luise gehört zu den Kriegsverlusten. D.Heim vermutet, dass Schadow von vornherein, vor der Porträtsitzung im Herbst 1794, ein Doppelstandbild der Prinzessinnen geplant hatte und die beiden Bildnisbüsten nur Mittel zum Zweck gewesen sind. Dafür spricht die zur Seite geneigte Kopfhaltung von Prinzessin Friederike, die sich in der Tat nur im Zusammenhang mit der Gesamtkomposition des schwesterlichen Doppelstandbildes vollständig erschließt. Es gibt Gipsabgüsse der Büste von 1795 (Akademie der Künste), von denen Schadow selbst bis 1798 50 Stück verkaufte, und aus terrakottafarben gefasstem Papiermaché (SPSG). 1798 entwarf Schadow noch eine weitere Variante der Luisenbüste, diesmal, statt in antikisierender Kleidung im zeitgenössischen Kostüm (Gipsbüste in der Alten Nationalgalerie).Die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) reproduzierte Schadows Luisenbüste von 1795 in Biskuitporzellan, 1798 in verkleinerter Version und 1802/03 in Originalgröße. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Luise-Büsten aus Porzellan großer Beliebtheit. Im Modellbuch der KPM findet sich unter Nr. 2291 „Büste der Königin Luise von Preußen / Friederike von Hannover“. Diese Modellnummer ist eingeritzt auf einer der beiden Ausformungen im KGM (O-1971,267). Solche Ritznummern finden sich bei der KPM erst ab den 1840er Jahren. Die Art der Zeptermarke auf der Büste O-1971,267 verweist auf eine Entstehung nach 1870; das zusätzliche Zeichen („IH“ und Punktzeichen) könnte ein Jahres- und Monatszeichen, aber auch ein Bossiererzeichen sein. Diese Uneindeutigkeit spricht für eine Ausformung vor 1901, denn ab diesem Jahr sind die Jahres- und Monatszeichen eindeutiger (frdl. Auskünfte KPM-Manufaktur, C.Tetzlaff, Februar 2022). Den gleichen Entstehungszeitraum für die Ausformung, zwischen 1870 und 1901, darf man auch bei der Büste Hz 646 vermuten. // Lit.: Georg Lenz: Johann Gottfried Schadow und die Berliner Porzellanmanufaktur, in: Kunst und Kunsthandwerk XXII (1919), S. 65ff.; Katalog „Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786-1914“, Skulpturengalerie SMPK 1990, S. 254, Kat. Nr. 211; Bernhard Maaz: Bestandskat. Skulpturen XIX. Jh., Alte Nationalgalerie, 2006, Bd. 2, Kat. Nr. 1005, 1020; Katalog „Luise. Die Kleider der Königin“, SPSG 2010, S. 202, Kat. Nr. 41; Dorothee Heim: Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2016, S. 529; Yvette Deseyve (Hg.), Sintje Guericke: J.G.Schadow, Ausst.-Kat. Berlin (Alte Nationalgalerie) 2022, Abb. S. 51, Kat. Nr. 30 // Claudia Kanowski

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