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Rundscheibe mit Wappen des Hochstifts Augsburg sowie vier Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers

Ident. Nr.: F 433

ObjID: obj:898480

Details (Expert)

Datierung
1510

Objektbeschreibung

Die Rundscheibe besteht aus einem zentral gesetzten Wappenschild, der tailliert ist und oben und unten ausgezogene Spitzen besitzt, sowie vier Passfeldern und Zwickeln dazwischen; vermutlich gehörte zum ursprünglichen Bestand noch ein umlaufender Streifen mit Blattornamenten und einer Jahreszahl, wohl 1510, wie bei Inv. Nr. F 434. Der halbierte, links rote, rechts weiße Schild ist bei der letzten Einbleiung entweder falsch eingesetzt worden oder zeigt in ursprünglicher Seitenverkehrung das Wappen des Bistums Augsburg.
Die vier Passfelder (oben beginnend und im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen vier Szenen aus dem Leben Johannes’ des Täufers. Nach Chronologie der Szenen beginnt die Erzählung mit Feld 3: Der gebundene Johannes wird von zwei Knechten aus dem links vom Bildrand überschnittenen Gefängnis geführt; den Hintergrund bilden ein hohes Gebäude und ein belaubter Baum vor einem Ausblick in die Landschaft. Auf Feld 4 ist die Erzählung fortgesetzt: Der rechts stehende Henker mit dem Schwert in der Linken reicht mit der Rechten das abgeschlagene Johanneshaupt über den liegenden, kopflosen Körper hinweg an die links stehende Salome, die eine flache Schüssel in beiden Händen hält; in geringem Abstand zu den Personen stehen links und rechts Gebäude; der Ausblick in die Landschaft ist durch einen hohen, belaubten Baum verstellt. Der Fortgang der Erzählung erfolgt auf Feld 1: Auf einem großen Tisch, an dem Herodias, Herodesq und eine weitere Frau sitzen, liegt das abgeschlagene Johanneshaupt auf einer Schüssel, während von links ein Ritter mit einer hohen Büchse hinzu tritt; Vorhänge begrenzen hinten und qrechts, übereck gestellte Wände links den Raum. Auf Feld 2 findetq der Zyklus seinen Abschluss: Der kopflose, rechts liegendeq Körper des Täufers wird in einem hoch lodernden, rauchenden Feuer verbrannt, während zwei Paare zuschauen; der Rasen lässt schließen, dass die Verbrennung im Freien statt findet.
Die Scheibe fußt in ihrer Komposition und in den Darstellungen der Passfelder auf einem wenig kleineren Scheibenriss. Anstelle des Wappens befindet sich im Riss ein bräunliches Papier in Form des Schildes mit der Zeichnung von zwei Putti mit Fahne und Trommel im Kreis. Im unmittelbaren Vergleich von Riss und Scheibe fällt auf, dass die zunächst an den äußeren Rändern größeren Passfelder bereits auf dem Riss durch einen gegenüber dem Außenrand etwas engeren Kreis beschnitten sind. Dies findet sich in der Scheibe wieder, besonders deutlich in Feld 3 an den beschnittenen Füßen des Täufers und des rechts stehenden Schergen. Andere durch den kleineren Kreis auf dem Riss beschnittene Details wie die Fenster in den Feldern 1 und 4 finden sich auch auf der Scheibe wieder. Da sonst, vom Fehlen des Gebäudes in Feld 2 abgesehen, keine einschneidenden Veränderungen vom Riss zur Scheibe zu beobachten sind, und die Zeichenweise des Risses in dünneren und stärkeren Linien sich bei der Scheibe nicht findet, ist, wenn der Riss Schäufelein zuzuschreiben ist, die Zeichnung auf Glas einem anderen, wohl in der Hirsvogel-Werkstatt tätigen Maler zuzuweisen. Auf den Entwerfer sind damit die Auswahl selten dargestellter Szenen zurückzuführen, unter denen u. a. der fehlende, häufig gezeigte Tanz der Salome und die dargestellte Verbrennung der kopflosen Leiche gegenüber der in der Legende berichteten Verbrennung der Knochen auffällt, sowie die Abfolge der Szenen, die zwar dem Uhrzeigersinn folgt, aber unten beginnt.
CVMA 98712

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Versöhnungsszene aus einer Folge mit dem Exempel vom undankbaren Sohn

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Bauchiger Deckelpokal mit Fruchtgirlanden

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Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, schlierigem Glas, Abriss am Boden, ansteigender, getreppter Fuß mit einem Kranz aus Strahlenfacetten über vertieften Rundfacetten. Der angesetzte Schaft, schlank-konvex geformt und mit gestaffelten, stehenden Bogenfacetten versehen, geht nahtlos in die rund gebauchte Kuppa mit Eisboden über, dieser mit einem Kranz aus zwölf Luftblasen konzentrisch um eine zentrale eingestochene Luftblase dekoriert. Die Kuppawandung ist mit einer umlaufenden, detailreich geschnittenen Girlande aus Früchten verziert, die an Ringen hängt. Auf jedem Feston sitzt ein Tier: ein Bär, zwei Eichhörnchen und ein Adler. Die Pokal- sowie die Deckelmündung ziert ein blanker Perlfries, der hoch aufgebaute Deckelknauf orientiert sich am Schaftdekor. Am Fuß sind Merkmale der Glaskrankheit erkennbar.Robert Schmidt bildet den Kelch 1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914 ab und beschreibt die Glasmasse bereits als "hell" mit "Haarrissen". Eine Reihe bauchiger Pokale gleicher Größe aus brandenburgischer Produktion - mit und ohne Vergoldung - ist überliefert (vgl. Klesse, Glassammlung Helfried Krug, 1965, Kat. 273; Berckenhagen, Berliner und Märkische Gläser, 1956, Kat. 23; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.1; 37.2). Sie werden übereinstimmend der Zechliner Glashütte zugeschrieben in die Zeit um 1740 und tragen meist jagdliche oder mythologische Szenen. Als Glasschneider wird Elias Rosbach oder jemand aus seinem Umkreis vermutet. [Verena Wasmuth]