Logo

Pokal mit Wappen und Monogramm AM

Ident. Nr.: W-1970,65

ObjID: obj:898794

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Zechliner Glashütte (1737–1890),
Glashütte
Datierung
Ausführung: 18. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Zechlinerhütte
Abmessungen
Höhe: 20,9 cm
Durchmesser: 10 cm (Fuß)
Durchmesser: 9,4 cm (Mündung)
Wandungsstärke: 0,25 cm

Objektbeschreibung

Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, Scheibenfuß mit verwärmtem Rand, angesetzt ein massiver Doppelbalusterschaft mit Ringscheiben, die becherförmige Kuppa mit einem mattierten Fries aus Spitzblättern im Wechsel mit Rundbögen am Ansatz ist auf der Schauseite mit einem bekrönten Medaillon in Mattschnitt dekoriert, das ein Spiegelmonogramm "AM" (vielleicht "AMC") zeigt und mit einem Kranz aus geblänkten Perlen auf mattiertem Grund gerahmt ist. Zu beiden Seiten flankiert von efeuumrankten Säulen und Zweigen. Die Gegenseite trägt einen von zwei Wilden Männern gehaltenen zweigeteilten Schild unter der Bügelkrone, links mit dem preußischen Adler, rechts mit dem Wappen Sachsens. Den verwärmten Mündungsrand ziert eine geschnittene Borte aus Festons mit Blattwerk. Die Kuppa ist korrodiert. Das Monogramm bezieht sich vermutlich auf ein Mitglied des sächsischen Adels in preußischen Diensten. Das Glas ist als brandenburgisches Erzeugnis des 18. Jahrhunderts inventarisiert, für das der Spitzblattdekor charakteristisch war. Hingegen sind Pendants mit diesem alternierenden Spitzblatt- sowie dem Festonschmuck aus keiner preußischen Glashütte überliefert. Ähnlichkeiten gibt es zu thüringischen Gläsern, typisch ist die Schaftform sowie der beschriebene Kranz als Medaillonrahmen (vgl. Rudolf Hoffmann: Thüringer Glas aus Lauscha und Umgebung, Leipzig 1993, Kat. 47, S. 86, 87). Vergleichsstücke mit sächsischer Provenienz waren nicht zu ermitteln. Denkbar ist, dass ein nach Brandenburg immigrierter thüringischer Glasschneider verantwortlich für den Dekor zeichnet. [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa