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Astronomisches Besteck

Ident. Nr.: K 4646

ObjID: obj:899692

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Christoph Trechsler d.Ä. (um 1546 - 1624),
Instrumentenbauer*in
Datierung
1598
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 3,1 x 13,1 x 13,1 cm

Objektbeschreibung

Das künstlerisch äußerst reich ausgestattete astronomische Besteck konnte sehr vielseitig verwendet werden: Mit ihm ließen sich die Wanderungen von Sonne und Mond im Wechsel der Jahreszeiten verfolgen, astrologische Konstellationen vergegenwärtigen, die Sonnenzeit bestimmen, die Windrichtung festlegen sowie Breitenwinkel und Höhen messen.
Auf dem Deckel erscheint eine Windrose mit den Himmelsrichtungen und den Zwölf Winden, an seiner Innenseite befindet sich eine Sonnenuhr mit der Darstellung von zwei Astronomen mit Himmelsglobus und Armillarsphäre. Im Kasten selbst befindet sich ein Kompass, darunter eine Platte mit Monatsnamen und Tierkreiszeichen. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kelchglas mit Chronos und Fortuna

Kelchglas mit Chronos und Fortuna

Trichterförmiger Pokal bzw. Spitzkelch aus dickwandigem, farblosem Glas. Flache Fußscheibe, Fuß- und Schaftteil mit einem vertieften und polierten Rundbogenfries dekoriert, der im Wechsel mit stehenden Bogenfacetten einen schuppenähnlichen Effekt am Schaft bildet ("Muscheln"). Auf der Kuppawandung die tiefgeschnittene Darstellung des an einem Baum lagernden Chronos, die Personifikation der Zeit, als geflügelter, alter Mann mit Sichel, in der ausgestreckten Rechten eine Kugel, auf der Fortuna, die Personifikation des Schicksals bzw. Glücks, zu tanzen scheint und eine lange Fahne trägt. Darüber die Inschrift: Zeit und glück hat seine Tück. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Das Glas ist fortgeschritten krank. Der Form nach datiert der Pokal in die Zeit 1730 bis 1745, könnte demnach entweder noch aus der Potsdamer Glashütte stammen, die bis 1736 aktiv war, oder aber bereits aus der Nachfolgerin als brandenburgisch-preußische Hofglashütte in Zechlin, die 1737 die Arbeit aufnahm. Beide Hütten beschäftigten nacheinander dieselben Glasmachermeister und -veredler. Ein nahezu identisches Glas mit demselben Sujet und mit der Signatur von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) und um 1735 datiert befand sich in der Sammlung Ernesto Wolf (Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Kat. 137). Dessen Schnittdekor weist eine noch detailreichere und feinere Qualität auf. Die allegorische Verbindung der Vergänglichkeit und des Glücks fand in der Kunst des Barockzeitalters europaweit Verbreitung. [Verena Wasmuth]MAKR

Pokal mit Grenadieren

Pokal mit Grenadieren

Pokal aus farblosem, leicht gelbstichigem Glas, Abriss am Boden, breiter, leicht ansteigender Fuß mit einem versenkten Spitzblattfries, der Balusterschaft über einem kleinen Nodus hat eine eingestochene Luftblase, darüber eine Trommelscheibe, diese sowie der Nodus sind mit einem Kranz aus mattierten Kugeln verziert. Der Baluster, wie auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt den Spitzblattfries vom Fuß. Die Kuppa ist dreiseitig mit je einer tiefgeschnittenen Grenadierfigur auf einem umlaufenden Landschaftssockel dekoriert, auf dem Kopf eine Grenadiermütze mit dem Monogramm "FR" (Fridericus Rex): Einer macht sich bereit, das geschulterte Gewehr zu laden, einer präsentiert das Gewehr und einer legt es zum Schuß an. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Fries aus eng gesetzten, großen Kugelungen. Das Glas ist fortgeschritten krank. Mit dem Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) mehrten sich ab 1713 militärische Motive auf Potsdamer Gläsern. Die Darstellung ganzfiguriger Grenadiere in ähnlich freistehender Manier sind auf weiteren Beispielen dokumentiert, mitunter mit Ornamenten oder einer Inschrift (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 67–69, S. 134–136; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1957, Abb. 12; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 20.2+3, 29.2). Aus derartigen Gläsern wurde sicherlich auf das Wohl des auch als "Soldatenkönig" bezeichneten brandenburgisch-preußischen Regenten getrunken. [Verena Wasmuth]MAKR

Mikrokleid aus Perlmutterknöpfen und Stahlösen

Mikrokleid aus Perlmutterknöpfen und Stahlösen

„Untragbare Kleider“ präsentierte der 1934 in Spanien geborene Designer Paco Rabanne 1966 in seiner ersten Modenschau. Und in der Tat, seine kühnen Entwürfe aus Aluminium, Papier, Leuchtfasern, Plexiglas und Rhodoïd waren nicht zum Anziehen gedacht, sondern glichen Kunstobjekten, mit denen er die etablierten Vorstellungen von Kleidung hinterfragte. Seither wird sein Schaffen von diesen Überlegungen bestimmt, dienen seine Werke dazu, gängige Vorstellungen von Mode gegen den Strich zu bürsten. Immer wieder verstand es Rabanne, mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. So wählte er für das rückenfreie, extrem schwere und sehr körpernahe Mikrokleid mit erhöhter Taille Perlmutterknöpfe, die mit je vier Stahlösen in aufwendiger Handarbeit zu einem Flächenverbund aneinandergefügt wurden – eine Technik, die auch bei Schutzschürzen für Fleischer eingesetzt wird. Das Kleid ist im Rücken tief geschlitzt und wird am Taillenband mit Haken und Ösen geschlossen. Sein Bustier-Oberteil besteht aus zwei dreieckigen Büstenteilen mit schmalen Trägern. Die erhöhte Taille wird von einem breiten Band aus sechseckigen, miteinander verbundenen Stahlplättchen – „Squam“ – markiert. Ein schmaleres Band konturiert die Kanten und den Saum. Die 1970 noch als trivial angesehen und für Wäsche genutzten Perlmutterknöpfe verlieren im Verbund mit den glänzenden Stahlringen ihre simple Anmutung und verwandeln sich zu einer edlen Rüstung von geheimnisvollem Glanz – das passende Outfit für moderne Amazonen.Paco Rabanne studierte in Paris Architektur und entwarf zunächst Accessoires für Balenciaga, Givenchy und Dior. 1967 gründete er sein eigenes Haute-Couture-Haus. Er gehörte neben Cardin, Courrèges und Ungaro zur Avantgarde der 1960er Jahre. CW

Weißes gewebtes Korsett mit gebogten Säumen

Weißes gewebtes Korsett mit gebogten Säumen

Das weiße Korsett in Stundenglas-Silhouette ist ein textiles Wunderwerk, dessen puristische Schönheit vollkommen auf den technischen Gegebenheiten seiner Herstellung beruht. Es ist ein in zwei Teilen ohne Naht gewebtes Korsett, im Gegensatz zu den bis dahin in mühevoller Handarbeit aus einzelnen Teilen zusammengesetzten Korsetten. Möglich wurde dies durch eine Entwicklung des Mechanikers Jean Werly (* 1779, † unbekannt). Zwischen 1818 und 1832 arbeitete er in Bar-le-Duc, Frankreich, an der Entwicklung spezieller Flachwebstühle, die in der Lage waren, „Zeuge mit runden Figuren, welche hauptsächlich zur Verfertigung der Corsetten ohne Naht bestimmt sind“ herzustellen. Hierbei entstanden Doppelgewebe mit abgeteilten Hohlräumen, in die die versteifenden Materialien wie Fischbeinstäbe, Kordeln aus Hanf, Baumwolle, Papier oder leichte flexible Stahlstäbchen eingezogen wurden. Gleichzeitig wurden die für die Anpassung an den Körper benötigten Brust- und Hüftzwickel beim Weben durch das allmähliche Hinzufügen bzw. Abnehmen zusätzlicher Schüsse eingearbeitet. Es wurde also von der rückwärtigen Verschlusskante nach vorn und vice versa gearbeitet. In der vorderen Mitte wurde bei unserem Korsett ein größerer Hohlraum mit kleinem Ziermuster für das Blankscheit angewebt. Dies sind zwei breitere Metallstreifen mit einem vierteiligen Mechanikverschluss aus besonders geformten Ösen, in die die kleinen Knöpfe der Gegenseite eingeschoben werden. Eine Feder in der Öse verhindert ihr Zurückrutschen. Dieser Mechanikverschluss ist noch heute in Gebrauch. Ein neuartiger Schnürverschluss im Rücken ermöglichte es der Trägerin, das Korsett ohne fremde Hilfe enger zu schnüren und dank der Mechanik konnte sie es allein anziehen.Die Kanten des Korsetts sind mit gebogten Weißstickereien und umlaufenden, lang gezogenen Kreuzstichen in Seide verziert. CW