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Deckelpokal mit Wappen derer von Rochow

Ident. Nr.: O-1982,82 a,b

ObjID: obj:900507

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Zechliner Glashütte (1737–1890),
Glashütte
frühere Zuschreibung: Glashütte Altmünden (1594–1818),
Hersteller*in
Datierung
Ausführung: 1740-1745
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Zechlinerhütte
Entstehungsort stilistisch: Hessen
Abmessungen
Höhe: 35,5 cm
Höhe: 23,4 cm (Pokal)
Durchmesser: 11,6 cm (Fuß)
Durchmesser: 9,9 cm (Mündung)
Höhe x Durchmesser: 13 x 11,1 cm (Deckel)
Wandungsstärke: 0,5 cm

Objektbeschreibung

Pokal mit zugehörigem Deckel aus dickwandigem, farblosem, sehr reinem Glas, ansteigender Fuß mit tiefgeschliffenem Rundbogenfries in drei Stufen, der beschliffene Fußrand sowie die Rundbögen vergoldet. Angesetzt ein massiver Schaft aus einem Rundbaluster über facettierter Kehlung mit dreimal acht konzentrisch um eine zentrale Blase eingestochenen Luftblasen, sowie einer zellenfacettierten Trommelscheibe, diese ebenfalls vergoldet. Die leicht konkave Kuppa wiederholt am Ansatz den Rundbogendekor vom Fuß. Die Wandung trägt ein fein geschnittenes und vergoldetes Medaillon mit drei geblänkten Schachrochen und reichem Rollwerk, ein Ziegenbock als Helmzier. Auf die Gegenseite ist ein Spruch in Gold staffiert: Der vergangenen Zeiten süße Erinnerung; / Der Jetzigen Sensiblen Empfindung; / A. E. v. R. / Der zukünfftigen bessere Hoffnung. Der kräftig vergoldete Mündungs- sowie der Deckelrand sind mit geblänkten Kugelborten dekoriert. Der Deckel, innen mit Abrissnarbe, trägt ebenfalls den Rundbogendekor und ist mit einem hohen Knauf versehen, der die Zierart des Schaftbalusters aufgreift, Abschlussnodus mit vergoldeter Halbkugel. Anhand des markanten Rundbogen-, des Luftblasendekors sowie seiner vorzüglichen Vergoldung ist der Deckelpokal nach Zechlin zu verorten (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 36.3, 38.2+3). Das Wappen lässt sich auflösen als das Wappen derer von Rochow, einer kurmärkischen Adelsfamilie mit Sitz in der Nähe von Stendal. Das Monogramm dürfte Adam Ernst II. von Rochow (1705–1759) meinen, Gutsbesitzer Gutsherr auf Stülpe sowie Landrat des Kreises Luckenwalde. Die Inschrift legt nahe, dass das Glas möglicherweise anlässlich dessen zweiter Eheschließung mit Christiane Luise von Thümen (1721–1745) entstand. Seine erste Frau und Cousine Johanna Catharina von Rochow (1717–1740) gibt mit ihrem Tod den terminus post quem seiner Produktion vor. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verwahrt ebenfalls einen Deckelpokal auf ein Mitglied der Familie von Rochow (Inv.-Nr. XIII 1023), die in der Frühen Neuzeit zu den einflussreichsten Familien in der brandenburgischen Landschaft Zauche gehörte. Dieser stammt noch aus der Potsdamer Hofglasmanufaktur. [Verena Wasmuth]
MAKR


Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa