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Fürspan mit Falknerin

Ident. Nr.: F 1364

ObjID: obj:902486

Details (Expert)

Datierung
Anfang 15. Jahrhundert
Material / Technik
Gold, Email en ronde bosse, Saphir, Perlen

Objektbeschreibung

Derartige Broschen, "gülden heftlein", wie sie genannt wurden, waren in höfischen Kreisen ein beliebtes Geschenk, vor allem zwischen Brautleuten. Sie sind zumeist aus kleinen aus Gold gegossenen und ganz mit Email überschmolzenen Figürchen oder Reliefs verziert. Hier sitzt inmitten einer blumigen Wiese eine Dame, eine Falknerin, mit Jagdhut. Sie trägt ein langes, hochgegürtetes Gewand, halb weiß, halb rot. Beide Arme sind weit ausgestreckt, mit der Linken hält sie einen Falken, in der rechten Hand die Falkenhaube, zu ihren Füßen ein hochgefaßter Saphir, im Hintergrund, gleich einer Sonne, eine goldene Strahlenfolie. Die Darstellung umschließt ein Reif mit kleinen farbig emaillierten Blüten, der außen von Doppelblättern im Wechsel mit Blüten aus Perlen besetzt ist.
In einem Inventar vom Jahre 1440 sind allein dreißig solcher "heftlein", die damals von der Witwe König Albrechts II. verpfändet wurden, aufgeführt und einzeln beschrieben, darunter eines, das diesem Fürspan mit der Falknerin sehr ähnlich gewesen sein muß: "mit eim junkfraun pild weiss gesmelzt mit eim sparber, auf einem grünn perg, mit zwei ballasen [Rubinen], mit eim perln in eim nagl".
Dietrich Kötzsche

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa