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Evangelistenschale aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,394

ObjID: obj:903781

Details (Expert)

Beteiligte
Cord Hagen (seit 1465 Meister, 1470/71 Ältermann, gest. 1522),
Goldschmied*in
Datierung
gegen 1474
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 14,4 x 14,2 cm
Gewicht: 1835 g

Objektbeschreibung

Zinnenkreuz, Evangelistensymbole und Baldachine gegossen. Profilrand der Schale gesondert gearbeitet. Evangelistensymbole, Zinnenkranz innen, Schale mit Ausnahme des Randes, der gravierten Blüten und des Mittelmedaillons unvergoldet. Baldachine durch einen angelöteten Ring verbunden, daran die Schale durch einen Zungenkranz befestigt. Graviertes wie gepunztes Prankenkreuz je einmal auf einem Fußring und auf der Schalenunterseite sowie dreimal auf dem Medaillon. Besonders die Figuren und das Medaillon von hoher handwerklicher Qualität.
Breit ausladende Schale, getragen von den Symbolen der vier Evangelisten unter Baldachinen, die aus im Dreieck angeordneten Wimpergen gebildet sind. Dem Betrachter Bänder mit ihren Namen weisend, sitzen sie auf rechteckigen Sockeln mit Zinnenkranz, die gleichsam die Türme einer Befestigungsanlage darstellen. Schale verziert mit einem gravierten Fries aus Blattranken, hängenden Blüten und birnförmigen Früchten. Auf der profilierten Wölbung des Schalenbodens ein reliefiertes Medaillon, das den Weltenrichter zeigt, thronend auf dem Regenbogen und die Weltkugel zu seinen Füßen. Seinem Munde entspringen als Sinnbilder der Gnade und Gerechtigkeit Lilienzweig und Schwert (Mt 6, 28ff. und Offb 19, 15), und er weist nach rechts und links auf umlaufende, in gotischen Minuskeln geschriebene Sprüche. Sie lauten, jeweils oben beginnend: "venite benedicti in regnu(m) dei" (Kommt ihr Gesegneten in das Reich Gottes, nach Mt 25, 34) und "ite maledicti in igne(m) eternu(m)" (Geht ihr Verfluchten in das ewige Feuer, nach Mt 25, 41). Als Hintergrund ein fein punzierter Blattkranz und Blattranken.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

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Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

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