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Empirekleid mit Schleppe

Ident. Nr.: 2003,KR 18

ObjID: obj:904315

Details (Expert)

Datierung
um 1800
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Frankreich
Abmessungen
Länge: VL. 132 cm
Länge: RL. 230 cm

Objektbeschreibung

Feine diaphane Baumwollgewebe von reinem Weiß waren das ideale Material für die hauchzarten Chemisenkleider, die von 1795 bis 1815 die Mode prägten. Infolge der Französischen Revolution war die griechisch-römische Antike mit ihren vermeintlich weißen Gewändern zum modischen Vorbild avanciert und hatte die kostspieligen Seidenstoffe des Ancien Régime und mit ihnen die den Körper disziplinierende Unterkleidung – Schnürleib und Reifrock – verdrängt. Angestrebt wurde nun eine schlanke, gestreckte Silhouette mit hoher Taille, von der die Stoffe fließend herabfielen.
Unser Kleid mit großem, rundem Dekolleté entspricht diesem Ideal. Sein Vorderteil besteht aus einer Gewebebahn, Oberteil und Rock sind nicht unterteilt, die Stofffülle wird im Ausschnitt und in der hohen Taille mittels eines Tunnelzugs gefasst und die Büste unter dem Oberteil von einem eingearbeiteten Bandeau aus festerem Leinen gestützt.
Im Rücken wurden Oberteil und Rock separat gearbeitete. Eine 92 cm breite Gewebebahn bildet das Mittelteil und die lange Schleppe. In Taillenhöhe wurde sie auf 8 cm zusammengerafft und seitlich der Mittelbahn wurden je eine halbe Gewebebahn sowie zwei kürzere Keile eingesetzt. Die Rückseite des Oberteils ist von rautenförmigem Zuschnitt, die gerade herabfallenden Ärmel sind vollständig eingesetzt und weit in den Rücken gezogen. Das Kleid ist mit etwas dickerem weißem Baumwollgarn vollständig bestickt. In sanft ondulierenden Reihen steigen kleine Zweige auf, die regelmäßig von einer Palmwipfelblüte bekrönt werden. Zwischen diesen Reihen sind kleine hakenförmige Palmettmotive angeordnet. Die qualitätsvolle und sehr regelmäßig ausgeführte Stickerei in feinstem Kettstich sowie der besonders feine Musselin deuten auf eine indische Herkunft des Gewebes hin. CW

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa