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Tobias und der Erzengel Raphael

Ident. Nr.: K 8910

ObjID: obj:904391

Details (Expert)

Beteiligte
Hieronymus II Holl (1660-1732),
Goldschmied*in
Datierung
um 1700
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Danzig
Material / Technik
Silber, teilweise vergoldet
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 19 x 16,2 cm (am Fuß)
Erwerbung
Nachlass-Stiftung des Rentiers Jakob Wilhelm Mossner (1809-1873)

Objektbeschreibung

Der laut Meistermarke von dem Danziger Goldschmied Hieronymus II Holl angefertigte Deckelhumpen zeigt zwei Szenen aus dem Buch Tobit, einem deuterokanonischen Buch des Alten Testaments. Tobias ist der fromme Sohn des erblindeten Tobit. Der Erzengel Raphael begleitet Tobias auf einer Reise nach Ekbatana, nimmt sich seiner an und hilft ihm, seinen Vater von der Blindheit zu heilen. Auf Raphaels Weisung ergreift Tobias einen Fisch, dessen Herz, Leber und Galle er als Heilmittel bewahrt und damit seinen Vater von der Blindheit heilt. Das Fischerlebnis des Tobias wird wegen der christologischen Deutung der Buchstaben des griechischen Wortes "Fisch" auf Christus bezogen.
Am Deckelhumpen des Hierinymus II Holl erscheinen an den Seiten der Wandungen zwei Szenen aus der Tobias-Geschichte nach grafischen Vorlagen aus Matthäus Merians Bilderbibel Icones biblicae (Frankfurt/Main 1627): Jeweils in Begleitung des Erzengels Raphael ergreift Tobias den Fisch, in der anderen Darstellung schultert er ihn.
Lothar Lambacher

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa