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Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena

Ident. Nr.: F 355

ObjID: obj:905952

Details (Expert)

Datierung
1504 - 1510
Abmessungen
Durchmesser: 36,5 cm

Objektbeschreibung

Die Gestalt Maria Magdalenas war mit verschiedenen in den Evangelien genannten Frauen gleichgesetzt und ihre Vita in den Legendarien zu einem abenteuerlichen Schicksal erweitert worden: Nachdem Jesus ihr die Sünden ihrer zügellosen Jugend vergeben hatte, gehörte sie zum engsten Kreis seiner Vertrauten, war die erste Zeugin seiner Auferstehung und verlebte die letzten dreißig Jahre ihres Daseins in vollkommener Askese als Einsiedlerin in der Wüste. Sie avancierte zu einer der am stärksten verehrten weiblichen Heiligen des Mittelalters.
Ihre Versöhnung mit Gott belegt gleichnishaft ihre wundersame Erhebung, wie sie auch in der „Legenda aurea“ geschildert wird. Demnach wurde Maria Magdalena in der Wüste täglich zu den sieben kanonischen Gebetsstunden von Engeln in die Lüfte gehoben, um dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen zu lauschen. Von dieser Speise war sie derart erquickt, dass sie keiner irdischen Nahrung mehr bedurfte, auch „strahlte ihr Antlitz so sehr vom immerwährenden Schauen der Engel, dass man eher in die Sonne hätte sehen mögen, denn in ihr Angesicht.
Die Szene ist auf dem Glasgemälde anschaulich und nicht ohne Sinn für Dramatik ins Bild gesetzt. Scheinbar schwerelos und von zwei Engeln eher sacht berührt als getragen schwebt die Heilige vor rotem Bildgrund über einem jäh aufklaffenden Felsspalt. Ihr zum Zeichen der Askese von Fell bedeckter Körper, von dem nur Gesicht, Brüste, Hände und Füße ausgespart sind, ist wie die Lichtgestalten der Engel ganz in Weiß bzw. zartem
Rosa gehalten und bringt so das überirdische Leuchten ihrer Erscheinung zur Geltung.
CVMA 98739

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa

Terrine in Form eines Kohlkopfs

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"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar.In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider.Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139)Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt)ClKa

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."