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Weltallschale

Ident. Nr.: K 3885 a,b

ObjID: obj:906120

Details (Expert)

Beteiligte
Jonas Silber (nachgewiesen 1572-1589),
Goldschmied*in
Datierung
1589
Material / Technik
Silber, vergoldet; Email
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 34,3 x 20 cm
Gewicht: 1772 g

Objektbeschreibung

Eine Inschrift nennt 1589 als Entstehungsjahr und den Nürnberger Goldschmied Jonas Silber als Hersteller des in seiner Form wie im Bildprogramm ganz einmaligen Schaugefäßes. Der dreipassförmige Fuß symbolisiert die Kontinente Asien, Afrika und Amerika. Als Ständer fungiert der Paradiesbaum mit Adam und Eva, er trägt einen Knauf in Gestalt des Salomonischen Tempels. Die Unterseite der Schale stellt die politische Ordnung des Heiligen Römischen Reiches mit Kaiser, Kurfürsten und den Wappen der Reichsstände dar, während ihr Inneres eine Personifikation Europas in Form einer anthropomorphen Landkarte enthält. Diese erscheint gewestet, so dass Spanien das gekrönte Haupt, Italien den rechten und Dänemark den linken Arm der Figur bilden. Die dafür verwendete Vorlage ist ursprünglich bereits 1537 entstanden, als Spanien tatsächlich die Krone des Reiches innehatte.
Der Deckel führt Innen die meist legendären königlichen Ahnherren der deutschen Nation vor Augen, während seine Oberseite eine Himmelskarte mit Sternzeichen zeigt. Über alldem thront Christus als Weltenherrscher. Im komplexen Bildprogramm der Weltallschale durchdringen sich religiöse und profane Themen. Sie formulieren merkbildartig reichspolitisch-nationale, wissenschaftlich-humanistische und heilsgeschichtlich-kosmologische Aspekte von Raum und Zeit.
Das Werk gelangte 1703 als Huldigungsgabe der Halberstädter Juden in den Besitz König Friedrichs I. in Preußen. Aus einem damals beigefügten Schreiben ging angeblich hervor, dass das Gefäß im Auftrag und nach Weisung Kaiser Rudolfs II. (reg. 1576–1612) entstanden sei. Unter anderem mit Verweis auf die dezidiert deutsch-nationale Tendenz des Bildprogramms ist die Herkunft der Weltallschale aus dem Rudolfinischen Kunstkreis in der jüngeren Forschung jedoch bestritten worden. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Walzenkrug mit silbervergoldeter Montierung

Walzenkrug mit silbervergoldeter Montierung

Humpen aus dickwandigem, farblosem, etwas graustichigem Glas, die Bodenkugel ist von einer tiefgeschnittenen Blütenrosette gerahmt, auf eine runde Platte mit Standring gesetzt, nicht gestaucht, der Standring mit feiner Montierung aus vergoldetem Silber, die Kantenverzierung aus erhabenen Jakobsmuscheln, angesetzter Ohrenhenkel, der an einer Manschette die Deckelmontierung hält, die aus Spangen und einem naturalistisch geformten Adler als Bekrönung gebildet wird. Der Ansatz des walzenförmigen Humpens ist mit einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Die Wandung zeigt umlaufend große Blüten- und Früchtefestons mit vereinzelten fliegenden Vögeln und Insekten, den verwärmten Mündungsrand schmückt ein Bogenfries in Schälfschliff. Der Deckel ist ebenfalls aus Glas geformt, gerahmt von einer getreppten Montierung in Anlehnung an den Fuß. Auf dem Deckel findet sich das bekrönte, großformatige Monogramm FR für Fridericus Rex zwischen gekreuzten Palmzweigen. Die Wandung hat einen durchgehenden Sprung gegenüber des Henkels. Da außer einem Tremolierstrich keine Punzen vorhanden sind, lässt sich kein Goldschmied zuordnen. Sehr wahrscheinlich datiert dieser repräsentative Walzenkrug in die Regierungszeit König Friedrichs I., in die Jahre 1701 bis 1713. Die hängenden Frucht- und Blumenbündel waren ein wiederkehrendes Motiv der Werkstatt von Martin Winter (um 1640–1702), die nach seinem Tod von seinem Neffen Gottfried Spiller (um 1663–1728) weitergeführt wurde. Dieses Glas glorifiziert mit seinem Bildprogramm die neugewonnene Königswürde des Hauses Hohenzollern: das bekrönte Monogramm dominiert das Gefäß, wird flankiert von Palmzweigen, Symbol für Sieg, Triumph, Frieden und ewiges Leben; Früchte und Blumen stehen für Wohlstand und Fruchtbarkeit, der imposante Adler des königlichen Hausordens wirkt, als ob er jeden Moment in die Lüfte steigt. [Verena Wasmuth]MAKR