Logo

Ämterscheibe der Stadt Zürich

Ident. Nr.: 1882,961

ObjID: obj:906726

Details (Expert)

Datierung
um 1535
Material / Technik
Glas, gefärbt; Schwarzlot, Silbergelb
Abmessungen
Durchmesser: 43,5 cm

Objektbeschreibung

Die Rundscheibe zeigt vor damasziertem, von einem Mauerband eingefasstem Grund im Zentrum das Doppelwappen von Stadt und Landschaft Zürich und am Rand 27 Wappen der zugehörigen Ämter mit ihren Namen in der Inschrift (vgl. Inv. Nr. W-1980,179). Das auf einem kassettierten
Boden ruhende Doppelwappen zeigt auf zwei einander zugeneigten Tartschen von Silber und Blau schräg geteilte Schilde, die Wappen von Stadt und Land Zürich; darüber steht das Reichswappen, der gezungte und nimbierte schwarze Doppeladler vor goldenem Grund, überhöht von der kaiserlichen
Bügelkrone; gehalten werden Reichswappen und Krone von zwei goldenen, steigenden, einander zugewandten Löwen.
Den Rand bilden 27 Schilde mit den Wappen der folgenden Ämter, die auf der außen umlaufenden Inschrift genannt werden (oben beginnend, im Uhrzeigersinn umlaufend): Kyburg (in Rot ein goldener Schrägbalken, von zwei goldenen Löwen begleitet), Grüningen (in Grün ein steigender, silberner Löwe), Freiamt (in Gold ein kreuzförmiger Schildbeschlag, dessen Balken leierförmig enden), Stäfa (in Silber die hl. Verena mit goldenem Kamm und Kanne), Männedorf (in Gold ein steigender, schwarzer Otter, einen Fisch im Fang haltend), Meilen (über einem Dreiberg in Gold eine schwarze Burg, über deren zwei Türmen je ein silberner Stern steht), Küssnacht (in Rot ein goldenes Kissen mit vier Quasten), Zollikon (von Blau und Silber schräglinks geteilt; vorne ein sechsstrahliger, goldener Stern, hinten zwei rote Linksschrägbalken), Horgen (in Rot ein silberner, stehender Schwan), Thalwil (in Silber zwei gekreuzte Rohrkolben mit goldenen Stängeln und Blättern), Kilchberg (in Blau eine vierblättrige, silberne Blüte mit goldenem Butzen und Kelchblättern), Maschwanden (in Gold eine geschweifte, schwarze Spitze, belegt und beseitet von drei (2:1) Planetenzeichen Erde in verwechselten Farben), Hedingen (in Gold eine schrägrechte, gestürzte schwarze Spitze), Sellenbüren (in Gold ein schwarzer, bezungter Marderkopf), Fluntern (in Blau zwei gekreuzte, silberne Lilienszepter), Elgg (in Rot ein silberner Balken, begleitet von drei (2:1) schwarzen, bezungten Bärenköpfen mit silbernen Halsbändern), Greifensee (in Silber ein steigender roter Greif), Regensdorf (in Silber drei blaue Pfähle, überzogen von einem roten Balken), Neuamt (von Blau und Silber geteilt; oben eine gestürzte, goldene Mondsichel, unten zwei rote Rosen mit goldenen Butzen), Rümlang (in Rot ein halbes, goldenes Einhorn), Bülach (von Silber und Rot linksschräg geteilt), Regensberg (in Rot eine silberne Torburg, über deren zwei Türmen sich ein golden-silberner, in silbernen Wolken endender Regenbogen spannt), Andelfingen (in Rot ein goldener Schrägbalken, von zwei schreitenden goldenen Löwen begleitet, der untere überhöht von einem goldenen Stern), Stammen (gespalten; vorne ein Stamm und drei Blätter in Silber, hinten ein goldener Baumstamm mit Astansätze), Eglisau (in Gold auf silbernem Dreiberg ein stehender schwarzer Hirsch), Stein am Rhein (in Rot der hl. Georg in silberner Rüstung und mit Nimbus auf einem Schimmel, über einem goldenen Drachen reitend), Winterthur (in Silber ein roter Schrägbalken, von zwei roten Löwen begleitet).
Die Scheibe gehört zu den sogenannten Ämterscheiben, die kurz vor 1500 auftreten und besonders im 16. und 17. Jahrhundert in der Schweiz eine lange Tradition ausbilden, besonders in Bern, Freiburg, Luzern, Solothurn und Zürich. Die kreisförmige Anordnung der Ämterwappen samt inschriftlicher Nennung der Orte ist für die runden Ämterscheiben ebenso typisch wie die als Wappenpyramide bezeichnete Kombination von Wappen, Schildhaltern und Krone, die von den sogenannten Standesscheiben abgeleitet ist.
Inschrift: (oben, senkrecht über dem Kreuz auf der Krone, beginnend und im Uhrzeigersinn umlaufend) kiburg grüninge f[r]yampt steffen · Men[net]orf Meillen kusnacht · zolliken · horgen tallwil kilchberg · Maschwand hedingen sellenburen · flundren elgy griff[e]nsee · regensperg [n]uwampt · [r]umling bullach regenspurg · ande[l]finge[n] stam[m]en eglysow · stei[n] winderthu[r].
Wegen der dargestellten Wappen darf eine Datierung zwischen 1532 und 1544 als sicher gelten, wobei eine Ausführung um 1535 stilkritisch am wahrscheinlichsten ist.
CVMA 98720

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

Ovale Bildplatte mit Blaumalerei. Dargestellt ist der Evangelist Markus, als bärtiger Mann, im Dreiviertelporträt. Er stützt seinen Kopf in die Linke, in der Rechten hält er ein Buch, sein Testament, in dem er liest. An seiner linken Seite erscheint sein Attribut, ein geflügelter Löwe. Am linken Rand der Platte ist ein Baum dargestellt, im Vordergrund Graswerk. Am Rand acht Ornamentmotive. Über der Figur der Schriftzug "St. MARCUS".Im Bestand des Kunstgewerbemuseums befinden sich insgesamt vier Evangelistenplatten (Inv. Nr. K 1571-1574). Zwei weitere, stilistisch verwandte Bildplatten im Bestand zeigen Porträts von zweien der drei Gründer der Nürnberger Fayencemanufaktur, Johann Conrad Romedi und Christoph Marx (Inv. Nr. K 1569 und K 1570), beide rückseitig in einer Inschrift von Georg Michael Tauber signiert und 1720 datiert - daher die Zuschreibung auch der Evangelistenplatten an Tauber. Während der deutsch-deutschen Teilung befanden sich die beiden Platten mit den Porträts der Firmengründer im Kunstgewerbemuseum Berlin-West und die vier Platten mit den Evangelisten im Kunstgewerbemuseum Berlin-Ost. Heute sind alle sechs Bildplatten in Schloss Köpenick, der Dependance des Berliner Kunstgewerbemuseum, gemeinsam ausgestellt. Evangelistenplatten (rechteckige) gehörten auch zum Repertoire der Dorotheenthaler Fayencemanufaktur. Möglicherweise lagen dieselben Stichvorlagen zugrunde.Lit.: Katalog KGM (Köpenick) 1988, S. 92, Text von Christiane Keisch; Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen. Bestandskatalog GNM Nürnberg, 2017, S. 35f. (Abb. der Platten mit den Gründerporträts, Inv. Nr. K 1569, K 1570).ClKa

Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

Großes Handfass mit vasenförmigem Körper auf hochgewölbtem Glockenfuß. An den Seiten über weiblichen Maskarons zwei gedrehte Schlaufenhenkel. Der Zapfhahn unter einer Muschel als Maske mit Ausgussrohr. Am Hals des Gefäßes Scheibe mit dem kurbrandenburgischen Wappen zwischen zwei „Wilden Männern“. Zugehörig zur Wanne Inv. Nr. S 513, in welcher das Handfass hier steht.Die Kanne zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. LL

Bürgereidkristall aus dem Lüneburger Ratssilber

Bürgereidkristall aus dem Lüneburger Ratssilber

Architekturteile und Figuren gegossen. Dach, Hintergründe der Figuren und Steine, Unterseite, Innenseiten und Inkarnat unvergoldet. Gewänder z. T. punziert. Zeichen auf der Unterseite. Figuren, Steine usw. mit durchgesteckten Schlaufen, in die Keile geschoben sind, befestigt. Ausarbeitung vergleichsweise grob. – Je zwei Nieten an den Ecken deuten darauf hin, daß der Schrein ursprünglich Füße oder einen Sockel besaß. Drei der Kreuzblumen an den Ecken, ein Finger des Weltenrichters, ein Teil des Schwertes von Paulus und Attribut eines Heiligen verloren. Vergoldung z. T. abgerieben, Email stellenweise fehlend.Truhenförmiges, als gotische Kapelle gestaltetes Reliquiar. Übereck gestellte, gestufte und mit Fialen, Zinnen und Kreuzblume besetzte Strebepfeiler, die in Richtung der Längeseiten – ursprünglich! – nach außen geneigt sind. Hohe, pultförmige, durch Stabfries und Hohlkehlprofile gegliederte Sockelzone. Form der Standplatte dem Grundriß entsprechend, Wulstrand durch Nut abgesetzt. Dachgesims längsseitig mit Blattfries, an den Schmalseiten als säulengetragene Kielbögen mit Krabben und Kreuzblume. Zurückgesetzte Wandungen der Längsseiten rechts und links eines größeren Mittelfeldes durch Strebepfeiler und Säulchen, die Baldachine tragen, in je zwei Felder geteilt, davor Statuetten auf Sockeln mit Stabmuster. In der Mitte der einen Längsseite Christus als Weltenrichter in der Mandorla, seine Wundmale weisend und hinter sich das Richtschwert, der Nimbus mit aufgesetztem Filigran. In halbrunden Feldern die vier Evangelistensymbole auf transluzid blauem Emailgrund. Seitlich, kniend auf transluzid grün emaillierten Hügeln, Maria und Johannes der Täufer, außen zwei posaunenblasende Engel. Auf der Gegenseite der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, die auf niedriger angebrachten Konsolen stehen. Seitlich Petrus und Paulus, links außen der Evangelist Matthäus, gekennzeichnet durch ein Schwert im Rücken, und rechts außen ein Heiliger, dessen Attribut fehlt. In den auch als Türchen dienenden Nischen der Schmalseiten der heilige Georg mit Drachen und eine weibliche Heilige mit Palmwedel, wohl die heilige Ursula, Lüneburgs Stadtpatronin. Auf der Dachwölbung zylindrischer Reliquienbehälter aus Bergkristall, verschlossen durch zwei Kappen, die entsprechend den Schmalseiten des Kastens verziert sind. An der vergoldeten Unterlage mit graviertem Blattrand zwei Schriftbänder, die dunkel bzw. transluzid blau emailliert sind. Auf dem einen (Seite des Weltenrichters) in Majuskeln „ITE VENITE“, auf dem anderen in Minuskeln „benedicti p(at)r(i)s mei“ nach Matth. 25,41 und 25,34 (Gehet hin ihr Verfluchten/ Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters). Rechts und links kniender Schutzengel, auf den Flügeln blaues, transluzides Email mit goldenen Punkten (nur z. T. erhalten). Am Sockel verschieden geformte blaue und helle, ehemals gelb und rot hinterlegte Glassteine in vier- und sechseckigen Fassungen.