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Töbingbecher aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,378

ObjID: obj:908201

Details (Expert)

Datierung
Ende 15. Jh. bis gegen 1566
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 21 x 7,8 cm (Fußring)
Gewicht: 455 g

Objektbeschreibung

Engelköpfe, Manschette des Bechers und Blattkränze des Deckels gegossen. Fuß-, Mündungsring und Deckelrand gesondert gearbeitet. Becher- und Deckelinneres glatt. Unterseite von Fuß und Becher, Rosetten und Hügel unvergoldet, Rosetten der Manschette kalt bemalt, Hügel mit Resten schwarzen Emails. Marken auf der Unterseite des Bechers. Rosetten am Fuß mit Splinten befestigt. Fuß und Becher durch Bajonettverschluß verbunden. Deckelfigur und oberer Ring des Fußteils fehlen.
Konischer Deckelbecher mit abnehmbarem Fußteil. Am Standring gravierte Inschrift: JOHAN TOBING D(ONUM) D(EDIT) A(NNO) D(OMINI) 1566 MENSE FEBRUA(RI). In der Kehlung gepunzt: HGD. Auf Becherwandung und Deckel geätzter Maureskendekor. Auf dem Deckel eine zweizeilige Inschrift: DICTUM EOBANI HESSI PVRO CORDE DEVM COLE DILIGE HAEC FIDEI SVMMA EST HIC PIETATIS APEX CONSVLI FRATRI (Ausspruch des Eobanus Hesse: Liebe Gott mit reinem Herzen, das ist das höchste Gebot des Glaubens, der Gipfel der Frömmigkeit. Seinem Bruder, dem Bürgermeister, gewidmet). Von der ursprünglich bekrönenden Figur erhalten: die Standplatte mit den Füßen, ein Stab- und ein Schild(?)-Ansatz.
Der Bechertypus, der seinen Ursprung vielleicht am burgundischen Hof gehabt hat, auch "Hofbecher" genannt wurde, war im ganzen 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet geläufig. Erhalten haben sich noch etwa 25 Beispiele.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa