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Kolonialausstellung im Deutschen Kolonial-Museum

Ident. Nr.: 14030724

ObjID: obj:932430

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schnebel (1874 – nach 1939),
Entwerfer*in
Hollerbaum & Schmidt (1889/1897 - um 1938),
Drucker*in
Datierung
1900
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lithografie
Abmessungen
Höhe x Breite: 70 x 46,2 cm

Objektbeschreibung

Die Gründung des Deutschen Kolonial-Museums, zu dessen Besuch dieses Plakat im Jahr 1900 aufrief, war unmittelbar mit der Deutschen Gewerbeausstellung in Berlin 1896 verknüpft: Die zahlreichen Objekte, die für die dort stattfindende Erste Deutsche Kolonialausstellung im Treptower Park zusammengetragen worden waren, bildeten den Grundstock der Sammlung des neuen Museums. Die auf dem Plakat abgebildeten Exponate sind Teil einer farblich reduzierten Gesamtkomposition: Afrikanische Speere, Waffen, Maske und Schild sind auf schwarzen Grund gesetzt, eine chinesische Schrift auf einen roten Farbblock – motivische Anspielungen auf die Kolonien in Afrika und Asien. In großen weißen Buchstaben erscheint daneben der Titel „Kolonialausstellung“. Hierbei handelte es sich um eine Dauerausstellung, die Aufmerksamkeit und Interesse breiter Bevölkerungsschichten auf die deutschen Kolonien lenken sollte. Dies war auch im Sinne eines nationalistischen Bildungsauftrags („Kinder die Hälfte“) zu verstehen, denn seit 1884 war das deutsche Kaiserreich eine Kolonialmacht.

Das Plakat steht in der Tradition stereotyper Afrika- und Asienbilder der Epoche: Anhand solcher Kombinationen aus Schrift und grafischen Bildmotiven hat sich nicht nur eine Erzählung über die sogenannten Anderen ins allgemeine Gedächtnis eingeprägt, sondern vielmehr eine Vorstellung davon, was Kolonien sind oder sein sollten – Orte des Konsums und Profits, welche man ungehindert ausbeuten konnte. 

Gefördert durch Adolph von Hansemann und die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, wurde das Deutsche Kolonial-Museum am 13. Oktober 1899 feierlich durch Kaiser Wilhelm II. im Gebäude des ehemaligen Marine-Panoramas in Berlin-Moabit eröffnet. Sein Denkmal begrüßte Besuchende im Eingangsbereich des Museums. Der Rundgang durch den zweistöckigen Kuppelbau begann mit den als „Import-“ und „Exportsaal“ bezeichneten Räumen. Der „Importsaal“ umfasste eine Sammlung pflanzlicher, tierischer und mineralogischer Produkte aus den deutschen Kolonien. Mit der Präsentation von Kautschuk- und Kakaobäumen, Tropenhölzern, Straußenfedern und Edelsteinen wurde auf den wirtschaftlichen Mehrwert der Einfuhren aus „Neu-Deutschland“ aufmerksam gemacht. Im „Exportsaal“ wurden jene Produkte gezeigt, die von deutschen Industrieunternehmen in die Kolonien ausgeführt wurden, darunter Stacheldraht, „Tropenapotheken“, Düngemittel, Bauteile für Plantageneisenbahnen, Eismaschinen, Kaffeeschälmaschinen und andere tropentaugliche Landwirtschaftsgeräte. Zur Systematisierung der Exportaktivitäten sollte im Laufe der Jahre in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kolonialverein für Einfuhr und Ausfuhr ein speziell auf die Bedürfnisse der deutschen Kolonien ausgerichtetes Exportmusterlager entstehen. 

Das Deutsche Kolonial-Museum hatte den Anspruch, mit seinen aufwändig inszenierten Ausstellungsarrangements den Deutschen „ein lebendiges Bild von dem vor Augen zu führen, was in Deutsch-Afrika und der deutschen Südsee kolonisatorisch gearbeitet wird“ (Kolonie und Heimat 1909/10, S. 4 f.). Es war somit einseitig auf Propagandazwecke zur Popularisierung der Kolonialidee und der deutschen Flotte ausgerichtet. Als solches diente es der Verstetigung jener ideologischen Ziele, die schon 1896 die Realisierung einer gigantischen Kolonialausstellung innerhalb der Deutschen Gewerbeausstellung im Treptower Park motiviert hatten. Teil davon war auch eine sogenannte Völkerschau, die in nachgebildeten „Dörfern“ Menschen aus anderen Ländern in zooartiger Manier ausstellte, insbesondere aus den von Deutschland okkupierten Gebieten in Togo und Kamerun. Das von intensivem Medienrummel begleitete Großevent wurde von Millionen besucht und trug zur Festigung bildgewaltiger, rassistischer Vorstellungen über diese Länder und ihre Bevölkerung bei.

Welche Auswirkungen Ausstellung und Museum auf das Narrativ der deutschen Gesellschaft und des Deutschseins hatten, zeigte eine 2022 organisierte Präsentation im Museum Treptow: „zurückgeschaut – looking back. Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow“. 

Recherche und Text: Ibou Coulibaly Diop

Verwandte Werktexte:
_Carl Hagenbeck. Von Tieren und Menschen (ID 14020663)
_Deutsche Gewerbeausstellung (ID 2831393)

Zitierte Literatur:
_Kolonie und Heimat in Wort und Bild, III, Nr. 20, 1909/10

Ausgewählte Quellen:
_Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, Berlin 2002
_Ulrich van der Heyden: „Das Deutsche Kolonialmuseum in Berlin. Ein Unikat im kaiserlichen Deutschland“, in: Der Bär von Berlin. Jahrbuch 2023 des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin/Bonn 20212, S. 76–96
_Alexander Hanold, Klaus R. Scherpe (Hg.): Mit Deutschland um die Welt. Eine Kulturgeschichte des Fremden in die Kolonialzeit, Stuttgart 2004


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

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