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Maria mit Kind und Johannesknaben

Ident. Nr.: KdZ 2040 verso

ObjID: obj:935024

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Matthias Grünewald (1465 - 1528),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1516 - 1519
Abmessungen
Höhe x Breite: 36,7 x 28,8 cm

Objektbeschreibung

Auf der Rückseite des Blattes mit einem knienden König mit zwei Engeln befindet sich eine Studie zu einer Maria mit dem Christuskind und Johannes. Lange Zeit maskiert und nur durch einen ovalen Bildausschnitt im Zentrum sichtbar, gilt sie der Forschung als eines der Hauptzeugnisse für den Einfluß der italienische Hochrenaissance auf Grünewald; namentlich Leonardo da Vinci wurde in diesem Zusammenhang immer wieder genannt.6 Schoenberger und andere sahen mit Blick auf diese Zeichnung sogar gewichtige Gründe zur Annahme einer Italienreise Grünewalds. Wieder andere Autoren, so zuletzt Hubach, leiteten aus den italienischen Anklängen der Komposition zwar keine Reise des Künstlers über die Alpen ab, doch könnten ihm Kunstwerke in Sammlungen seiner Auftraggeber wichtige Anregungen vermittelt haben, konkret solche im Besitz Reitzmanns, für den Grünewald das Aschaffenburger Maria-Schnee-Retabel gemalt hat.
Die heute ganz freigestellte, aber wegen ihrer sehr flüchtigen und zarten Linien schwer lesbare Zeichnung gibt eine deutlich weiter ausgreifende Komposition wieder, als es der frühere Ovalausschnitt suggerierte. Die bis zum Fuß des Blattes herabreichende und die ganze Breite einnehmende Studie zeigt die Muttergottes mit einer kleinen Rundform unter dem rechten Fuß und dem Christuskind auf dem Schoß. Maria sitzt, die Haare von einem Schleier (?) bedeckt, in einem weit am Boden aufstauchenden Gewand auf einer Rasenbank, die links durch zwei Äste eines Rahmengeflechts (?) hauchzart angedeutet wird. Vom mild niedergeschlagenen Blick der Mutter begleitet, beugt sich der Christusknabe mit absicherndem Griff an deren übergroßer Hand hinab#.7 Sein Blick zielt auf eine heute kaum noch zu erkennende Figur am linken Blattrand. Hinter Maria schaut der Johannesknabe über ihre linke Schulter und legt dabei seine linke Hand an den langen, szepterartigen Stab mit Knauf, den sie in der Linken hält.
Unabhängig von der Bewertung italienischer Einflüsse, die gerade diese Marienzeichnung geprägt haben können, ist die Studie ein seltenes Zeugnis für die Anfänge graphischer Werkvorbereitung bei Grünewald. Sie läßt wie keine andere seiner erhaltenen Zeichnungen eine Spur der ersten Kompositionserfassung wahrnehmen: Zunächst wurde mit dünnen Linien der gesamte Figurenkontur der Gruppe angelegt und der Raumbezug knapp definiert, wobei die Bedeutung einiger Striche heute nicht mehr zweifelsfrei zu ermitteln ist. Auf der rechten Seite sind mit schrägen Linien zum einen wohl Wangen der Rasenbank angedeutet, vielleicht auch Saumlinien des Marienmantels. Eine relativ hochsitzende Schräge könnte dagegen einen hinterfangenden Berghorizont andeuten. Im Anschluß an diese erste Festlegung konzentrierte sich Grünewald ganz auf den Oberkörperbereich der Mariengruppe. Zahlreiche Pentimente zeigen, daß zu diesem Zeitpunkt noch deutliche Verschiebungen möglich waren. So dokumentieren Alternativlinien am Gesäß und am linken Fuß Christi die Suche nach der passenden Sitzposition des Kindes. Aber bereits in diesem frühen Stadium begann Grünewald, mit dem Kohlestift Lichtfelder bzw. Schattenpartien gegeneinander abzusetzen. So strich er die rechte Schulterpartie Mariens gegen den Christuskörper dunkel zu und legte einige Schraffuren in den Binnenzeichnungen an, zum Beispiel am abgestreckten Bein Christi und am Ärmel des Johannes hinter Maria. Dann blieb die Zeichnung liegen, warum, wissen wir nicht, möglicherweise, weil ihm die Trennung der Raumschichten schon in diesem Stadium wenig gelungen erschien.

Text: Michael Roth: Matthias Grünewald. Die Zeichnungen.
Im Auftrag des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft herausgegeben von
Rüdiger Becksmann. Berlin 2008, S. 59f., Kat. 20 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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