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Tanzende Muse

Ident. Nr.: KdZ 5058

ObjID: obj:936705

Details (Expert)

Beteiligte
Werkstatt: Andrea Mantegna (um 1431-1506),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1497
Abmessungen
Höhe x Breite: 45,6 x 31,2 cm

Objektbeschreibung

Die Figur ist in Größe und Details identisch mit der rechten äußeren Gestalt im Reigen der Musen auf dem Bild »Der Parnaß«, das Andrea Mantegna für das Studiolo der Isabella d'Este im Palazzo Ducale zu Mantua 1497 lieferte. In München hat sich ein ähnliches Blatt mit der Darstellung einer weiteren Tänzerin erhalten. Das Gemälde befindet sich heute im Louvre und gehört unzweifelhaft zu den besten Zeugnissen der norditalienischen Renaissancemalerei (zuletzt: Kat. Mantegna [London/New York] 1992, S. 418ff., Abb. 107). Umstritten hingegen ist, ob die beiden Zeichnungen, die in der Forschung immer zusammen diskutiert wurden, von Mantegna selbst stammen: Sind sie, wie zuletzt Harprath und Dreyer aufgrund technischer Befunde ausführten, eigenhändige Hilfskartons - ein Werktyp, der zur maßstabsgerechten Umsetzung einzelner Elemente eines Gesamtentwurfs auf einen anderen Träger diente - oder Nachzeichnungen? Die Münchner »Muse« jedenfalls wurde nach längerer Zeit der Akzeptanz mit einer Gruppe ähnlicher Blätter wegen vermeintlicher Schwächen 1992 in London wieder als Werkstattwiederholung ausgestellt.
Trotz des fragmentarischen Zustands, den das Berliner Stück nach Abzug aller Ergänzungen und Retouchen aufweist, gibt es viele Indizien für dessen zeichnerische Güte. Abweichend vom Großteil der in Frage gestellten Zeichnungen sind die Weißhöhungen nicht dicht und übersorgfältig geskribbelt, sondern locker und sparsam aufgetragen; noch deutlicher bemerkt man die Unterschiede in der Modellierung von Licht und Schatten, die hier nicht kalt nebeneinander stehen, sondern sowohl auf den nackten Partien als auch im Gewand ein fließend abgestuftes, nuancenreiches Chiaroscuro bilden. Ein Kopist oder ein >authorisierter< Mitarbeiter würde auch sehr gewissenhaft nur das sichtbare Ergebnis abgezeichnet haben, nicht die unter den flatternden Falten liegenden Konturen, wie sie etwa an der Unterseite des rechten, vorspringenden Beins und an der linken Schulter durchscheinen. So spricht hier gerade die unprätentiöse, auf oberflächliche Virtuosität verzichtende Auffassung für die Autorschaft Mantegnas.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 251-252, Kat. V.9 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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