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Gaspare Visconti, De Paulo e Daria amanti (Widmungsexemplar für Ludovico il Moro)

Ident. Nr.: 78 C 27

ObjID: obj:939025

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Meister B. F. (1486),
Buchmaler*in
Gaspare Ambrogio Visconti (1461-1499),
Autor*in
Datierung
Herstellung: 1492 - 1499
Material / Technik
Deckfarben auf Pergament
Abmessungen
Höhe x Breite: 27 x 17,8 cm

Objektbeschreibung

Gaspare Visconti hat seine Romanze von Paulo und Daria dem Ludovico il Moro, Herzog von Mailand (1494-1499/1500) gewidmet, das Sforza-Wappen erscheint auf fol. 69r. In verwickelten, auch kulturhistorisch interessanten Episoden schildert der Dichter das Schicksal der beiden Liebenden. Sein Versepos ist in acht Bücher mit je achtzig Achtzeilern gegliedert, von denen drei auf eine Seite in italienischer Renaissancekursiva geschrieben sind. Am Beginn jeden Buches sind in architektonisch oder landschaftlich gestaltete Rahmendekorationen kleine szenische Illustrationen zur Erzählung eingefügt. Von schmalen Goldleisten gesondert gerahmt sind die Texttafeln an Bändern aufgehängt, so daß der Eindruck entsteht, sie liegen räumlich vor dem Bild. Dieser illusionistische Effekt ist ein beliebtes Motiv, das bereits in den 70er Jahren in Venedig und Padua entwickelt wurde. Der flächige Charakter der Buchseite wird verleugnet zugunsten räumlicher Dimension. Diese Täuschung geht soweit, daß eine Seite wie aufgerissen gezeigt wird und im Durchblick mit zerfetztem Rand ein Wiesenstück mit Blumenstaude zu sehen ist, eine Clitia - hier mit der Sonne darüber ein emblematisches Motiv; daneben kriecht eine Fliege über das Pergament.
Im Text ist der Umbau von Sant' Ambrogio in Mailand durch Bramante (1492-1498) erwähnt, Ludovico il Moro als Herzog genannt (seit 1494). Da das Versgedicht aber bereits 1495 für Mantegazza in Mailand gedruckt wurde, ist die Handschrift zwischen 1494 und 1495 entstanden und wohl auch illuminiert. Der Stil der Miniaturen, noch von der Art des am mailändischen Hofe einflußreichen Cristoforo de' Predis geprägt, weist auf den Meister B. F. als Miniator.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 56f., Kat. I.11 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 18.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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