Logo

Gottvater erscheint Jakob in Bethel

Ident. Nr.: KdZ 12511

ObjID: obj:939334

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giovanni Benedetto Castiglione (il Grechetto) (1609 - 1664),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1647/1650
Systematik/Art
Abmessungen
Blattmaß: 28,4 x 41,6 cm

Objektbeschreibung

Das Bild ist einer Schlüsselstelle des Alten Testaments entnommen. Jahwe erschien dem Jakob in Bethel und sprach zu ihm: »Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein. [...] Sei fruchtbar und mehre dich. Ein Volk, ja eine Menge von Völkern soll von dir abstammen [...]. Das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, dir gebe ich es, und deiner Nachkommenschaft« (Genesis 35,9). Die Frauen Jakobs, Rachel und Lea, sind mit ihren Kindern als Assistenzfiguren eingefügt. Auffallend und vielleicht mit der prophetischen Botschaft korrespondierend ist der räumliche Kontrast zwischen den nah in den Vordergrund gezogenen, bildparallelen Figurengruppen und der weiten Landschaft mit tief liegendem Horizont.
Castiglione war ein »Maler-Poet«, ein Künstler, der unabhängig von akademischen Traditionen arbeitete und seine Stoffe, die er in immer neuen Varianten durchspielte, abseits der aktuellen Repertoires suchte. Auch seine technischen Experimente mit der Monotypie, als deren Erfinder er gilt, und mit ölhaltigen Farben sind einzigartig in der klassisch geprägten Kunst des mittleren Seicento und bereichern das Spektrum der italienischen Zeichenkunst. Die kolorierten, in charakteristischer Mischtechnik weit ausgeführten Blätter sind kleine »gezeichnete Gemälde«. Als bedingt autonome, konzeptuelle Werke entstanden, kreisen sie um pastorale und biblische Themen, die auch in der Druckgraphik und Malerei des Künstlers eine zentrale Rolle einnehmen. Gegen Ende der 1640er Jahre schuf Castiglione eine Serie von alttestamentlichen Szenen, in die sich die hier ausgewählte Zeichnung nahtlos einfügt. Varianten zum gleichen Thema befinden sich im Metropolitan Museum zu New York und in Schloß Windsor [...].

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 284-285, Kat. V.46 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 03.11.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)

Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)

Fragment einer großformatigen, triptychonartigen Radierplatte aus dem Jahre 1900, von der sich die Künstlerin nachträglich distanzierte und die von ihr deshalb auseinandergeschnitten wurde. Nur der linke Teil mit der realistischen Arbeiterfamilie hatte vor ihren eigenen Augen auch noch in späteren Jahren Bestand, während sie die Hauptdarstellung in der Mitte und die rechte Randszene aufgrund ihrer symbolischen Überfrachtung als "fatal" verwarf. Die unzerschnittene Platte variiert das Themades nicht in den Zyklus aufgenommenen Schlußblattes zu "Ein Weberaufstand":"Aus vielen Wunden blutest du, oh Volk" [#vgl. Ident. Nrn. 658-1912, AM 383-1971]. Während sich der Mittelteil auf beiden Radierungen gleicht, wurden die Seitenfiguren im späteren Werk durch zwei Szenen ersetzt. An Hand der Themen Selbstmord und Prostitution schildern sie die ausweglose Situation des Proletariats. Für die vermutlich durch Arbeitslosigkeit ins Elend gestürzte Familie links bietet sich als Ausweg nur der Strick. Das Triptychon sollte ursprünglich den Titel "Das Leben" tragen und wohl so etwas wie eine allegorische Gesamtschau auf die Lebensbedingungen des Proletariates geben. Der Druck gehört zu den wenigen von [Otto] Felsing gedruckten Exemplaren, die den Ausgaben des Verlags E. A. Seemann, Leipzig, vorausgingen.(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 76, Kat.-Nr. 80)2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Rhenen von Westen

Rhenen von Westen

Jacob van Ruisdael gilt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler, eine Gattung, die in kunsttheoretischen Schriften keinen hohen Rang einnahm.Nur eine weitere Ansicht Rhenens durch van Ruisdael ist erhalten (St. Petersburg); sie zeigt die Stadt aus entgegengesetzter Richtung. Beide müssen auf der Reise nach Bentheim entstanden sein, die der Künstler 1650/1653 unternahm. Das beliebte Motiv des Turmes der Cunera-Kirche als mächtigem, die Landschaft beherrschenden Kennzeichen, wird durch van Ruisdael auf die Spitze getrieben, indem er einen Blickwinkel wählt, der den Baublock der Kirche selbst hinter dem Turm verschwinden läßt, während von dem benachbarten großen Palast, den Friedrich V. von der Pfalz, der sogenannte Winterkönig, sich hier im Exil von Bartholomeus van Bässen hatte bauen lassen, nur die Dächer zu sehen sind. So kann der Kirchturm, in dessen Schatten sich der ganze Ort zu ducken scheint, bei van Ruisdael zum Angelpunkt einer asymmetrischen, aber wohlbalancierten Komposition werden. Dynamik entsteht durch die von links vorn nach rechts hinten schwingende Linie von Weg und Ufer, während die mit großer Leichtigkeit auf das Blatt gesetzten Wolken ein raffiniertes Gegengewicht zu dem aus der Mitte gerückten Turm bilden. (Um so schmerzlicher stört die übergroße Besitzermarke des Zaren.)Typisch für van Ruisdael ist die spürbare Distanziertheit vom Gegenstand, z.B. das Fehlen menschlicher Figuren, die der Darstellung einen Ernst, ja eine Strenge verleiht, die bei anderen holländischen Landschaftern selten zu finden sind.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 222, Kat. IV.75 (mit weiterer Literatur)