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Die Drei Weisen aus dem Morgenland in einer Landschaft

Ident. Nr.: KdZ 609

ObjID: obj:939610

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lorenzo Monaco (1370 - 1430),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1420/1423
Systematik/Art
Abmessungen
Blattmaß: 25,8 x 18,2 cm

Objektbeschreibung

Bildmäßige Ausführung und farbige Wirkung rücken das Blatt in die Nähe der Buchmalerei. Die primären Arbeitsmittel des Künstlers aber sind hier graphischer Natur: sorgfältige Konturen und kleine Federskizzen (Boot und Hafenbereich unten links), deutlich nebeneinander gesetzte Pinselstriche zur Abtönung weiter Bereiche und schließlich äußerst feine, in Wellen- und kurvigen Kreuzschraffen aufgetragene Weißhöhungen. Auch Vasari (1568) und Baldinucci (1686) sprechen angesichts derartiger Werke Lorenzos von »disegni«, also Zeichnungen, die der Künstler häufig und mit großer Kunstfertigkeit in Chiaroscuro-Technik gefertigt habe. Von diesem Werktypus sind allerdings nur zwei Beispiele erhalten geblieben, »Die Drei Weisen« und ihr Pendant, eine »Heimsuchung Marias« (ebenfalls Berlin, KdZ 608). Aufgrund von Stilvergleichen mit Altargemälden, beispielsweise mit der »Anbetung des Kindes« in den Uffizien von etwa 1420/22, gab die Forschung beide Zeichnungen einhellig in die Spätzeit des Meisters. Lorenzo Monaco, der 1391 das Mönchsgelübde in Florenz ablegte, zuvor aber eine sienesische Schulung genossen haben muß, stellt als Vertreter der Wendezeit vom späten Mittelalter zur Frührenaissance noch alle Komponenten seines Bildes ihrer Bedeutung und nicht seiner Erfahrung gemäß dar. So nimmt er keine Rücksicht auf die realen Größenverhältnisse zwischen den Figuren, der bizarren Berglandschaft, den hochschießenden, kubischen Turmbauten, welche als Abbreviaturen wehrhafter Städte zu lesen sind, und dem narrativen Beiwerk, zu dem etwa ein kleiner Kopf zwischen den Felsen und auf den Wellen tanzende Boote zählen. Entsprechend schroff wechselt der Rhythmus von Nah- und Fernsichten. Vertikal hochgeklappt und übereinander geschichtet, wurden die einzelnen Raumzonen jeweils für sich mit den Mitteln perspektivischer Verkürzung angelegt. Das Thema des Bildes ist die Epiphanie, der Moment, in dem die Prophezeiung, dass ein neuer König geboren ist, den Drei Weisen zur Gewißheit wird (Matthäus 2,1-12). Im Zentrum des Bildes erblicken zwei der Magier den Stern von Bethlehem und sprengen auf das noch von gewaltigen Hindernissen verstellte Ziel zu, während der dritte - leicht vom Wege abgekommen - sein Gesicht vom Licht geblendet bedeckt. Im Unterschied zu Gentile da Fabriano, der das Ereignis in seinem großen Anbetungs-Altar von 1423 als statische Nebenszene malte (Uffizien [...]), gestaltete Lorenzo etwa zeitgleich die Erscheinung wesentlich dramatischer. Durch die diagonale Anlage und die parallel gerichteten, expressiven Bewegungslinien wird die zuvor aufgebaute Spannung zwischen den Menschen, die den Heiland suchen, und der Weltlandschaft voller gefährlicher Abgründe und Widerstände auch formal gelöst.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 244-245, Kat. V.2 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 16.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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