Logo

Memento mori

Ident. Nr.: KdZ 6581

ObjID: obj:941363

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Wolfgang Baumgartner (1709),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 2. Viertel 18. Jh.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Memento mori
Ein Schlemmer an der Tafel. Rechts vorn Chronos, links ein alter Gelehrter. Vorlagen für Kupferstiche in Rocailleumrahmungen
Allegorie der Unmäßigkeit
Abmessungen
Höhe x Breite: 29,2 x 20,9 cm

Objektbeschreibung

Ein bizarrer Muschelrahmen umschließt einen reich besetzten Schenktisch, vor dem auf einem phantastischen Stuhl ein dickbäuchiger, liederlich angezogener Mann mit Hahnenfedern am Hut sitzt. Er lehnt sich gerade satt zurück, in der Rechten noch das eben benutzte Messer, in der Linken den schon geöffneten Krug, als er das Stundenglas gewahr wird, das ihm die rechts unten aus dem Rahmen wachsende Gestalt mit Sense entgegenhält, und starrt es fassungslos an.
Die Situation benutzt die Katze, um auf dem Tisch von den Speisen zu naschen. Dabei gerät ein Teller ins Wanken und ein herabgleitender Topf läuft aus. Gleich wird er den Scherbenhaufen zu Füßen des Prassers vermehren, dem außer ihm nur leere Beutel geblieben sind.
Von links beugt sich der Apostel Paulus ins Bild. Auch er schaut auf das von Chronos präsentierte Stundenglas, als wollte er den Betrachter ermahnen, sein Leben zu überdenken: »Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Buhlereien und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pfleget das Fleisch nicht so, daß Begierden erwachen!« (Römer 13, 13-14). Vermutlich entstand die Zeichnung als Vorlage für einen Kupferstich.

Text: Renate Kroll in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 147f., Kat. III.80 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)