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Muscheln und Ansicht von Cadix, Blatt LVIII

Ident. Nr.: KdZ 4818

ObjID: obj:943063

Details (Expert)

Beteiligte
Joris Hoefnagel (1542–09.09.1600),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1578 - 1592
Weitere Titel
Sammlungstitel: Muscheln und Ansicht von Cadix, Blatt LVIII
LVIII Muscheln, mit einer Ansicht von Cadix
Abmessungen
Blattmaß: 14,4 x 19,5 cm

Objektbeschreibung

Die sehr fein gearbeitete Miniatur gehört zum dritten, die »Fische« behandelnden Teil des vierbändigen zoologischen Werkes, das Hoefnagel 1575-82 für Kaiser Rudolf II. in Prag angelegt hat. Die anderen Bände sind den Insekten, den Vierfüßlern und Reptilien sowie den Vögeln gewidmet. Das lange verschollene, hochberühmte Werk, das erstmals von Sandrart 1675 erwähnt wurde, tauchte 1946 wieder auf und gelangte mit der Sammlung Lessing Rosenwald in die National Gallery Washington. Es ist unbekannt, wann die 16 in Berlin und 2 in Weimar befindlichen Blätter des Werkes aus dem Zusammenhang gelöst worden sind. Die Ansicht von Cadiz im Hintergrund des vorliegenden Blattes muß auf eine Naturaufnahme zurückgehen, die Hoefnagel während seiner Spanienreise 1566-67 angefertigt hat. Die Muscheln vorn sind numeriert, damit im Text ihre genaue Bezeichnung angegeben werden konnte.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 140, Kat. III.70 (mit weiterer Literatur)

Joris Hoefnagel war einer der herausragenden Miniaturisten des späteren 16. Jahrhunderts. Eigentlich aber sollte er Kaufmann werden. Und so genoss er als Sohn einer wohlhabenden Antwerpener Diamantenhändlerfamilie zur Vorbereitung auf den väterlichen Beruf zunächst eine profunde klassisch-humanistische Ausbildung. Sie sollte es ihm später erlauben, seine überaus delikaten Miniaturen mit ebenso feinen lateinischen Versen zu kommentieren bzw. symbolisch aufzuladen.
1561 reiste er nach Frankreich und nach Südspanien. Aufenthalte in Sevilla und Granada sind nachgewiesen. In diesem Zuge dürfte er auch Cadiz besucht haben, einen der geradezu mystischen Orte der klassischen Antike. Der Legende nach von Herakles gegründet, war die Stadt einer der wichtigsten Orte und Häfen der Atlantikschifffahrt.
Auf diesen Rang als nautisches Zentrum und Ort des In-See-Stechens zielen auch Hoefnagels lateinische Verse: „Geh jetzt und schicke die Seele mit den Winden, vertraue auf das gezimmerte Holz, vier Zoll vom Tode entfernt und sieben, wenn es eine sehr große Fichte war“ (… aus dem das Schiff und die Maste gezimmert wurden) − und unten: „Siehe die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, sind wie ein Staubkorn auf der Waage geachtet. Siehe, Inseln wiegen nicht mehr als ein Sandkorn. Isa 40“ (Jesaja 40 (15)).

Text: Michael Roth, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 22

Joris Hoefnagel was one of the outstanding miniaturists of the late sixteenth century. He was actually supposed to become a merchant. As the scion of an affluent Antwerp dynasty of diamond dealers, he was offered a profound humanistic education to prepare him to carry on his father’s profession. This would later allow him to comment and symbolically charge his quite delicate miniatures with fine Latin verses.
In 1561, he traveled to France and to Southern Spain, and we have evidence of stays in Seville and Granada. Along the way, he most likely stopped in Cadiz, one of the virtually mystical cities of classical antiquity. Founded by Hercules according to legend, the city was one of the most important locations and harbors for Atlantic shipping.
Hoefnagel’s Latin verses refer to the city’s status as nautical center and a site of taking to sea: “Now go and send off your soul with the winds, trust the fashioned wood, four inches away from death, or seven, if it was a very large spruce” (the wood used to make the ship and the masts); and below “Surely the nations are like a drop in a bucket; they are regarded as dust on the scales; he weighs the islands as though they were fine dust. Isaiah 40” (Isaiah 40.15).

Text: Michael Roth, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 22

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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