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Die Drahtziehmühle

Ident. Nr.: KdZ 4

ObjID: obj:944072

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1489 - 1494
Geografische Bezüge
Nürnberg,
Stadt
Provenienz
Joseph Daniel Böhm (1794-1865),
1865
Alexander Emil Posonyi (1838-1899),
1865–1867
Kauf: Anatole Auguste Hulot (1811-1891),
1867–1877
Abmessungen
Höhe x Breite: 29 x 42,6 cm
Erwerbung
1877 Ankauf aus der Sammlung Posonyi-Hulot

Objektbeschreibung

Die Darstellung der landschaftlichen Umwelt, uns selbstverständlich und besonders interessant, war jahrhundertelang, seit dem Ende der Antike bis zur Renaissance, nicht gebräuchlich. Eine Weltanschauung, die das wahre Leben im Jenseits sieht, kann die Kulissen des irdischen Jammertals naturgemäß nicht für wichtig halten. Biblische Geschichte und die heiligen Lehrer waren fast ausschließlich Thema der bildlichen Darstellungen, entweder vor unirdischen Goldgrund gestellt, oder in Nachbarschaft stark stilisierter Abkürzungen von Berg, Baum und Haus, Im 15. Jahrhundert, ungefähr gleichzeitig mit der Wiedergabe individueller Bildnisse, entstand auch das Interesse an naturalistischen Landschaften. Zum ersten Mal begegnet ein identifizierbarer Landschaftshintergrund auf dem 1444 entstandenen Gemälde »Fischzug Petri« von Konrad Witz im Genfer Museum; kurz vorher hatte Jan van Eyck in einer Buchmalerei das flache Ufer des Meeres überzeugend dargestellt. Dürer bekannt gewesen sind sicherlich Zeichnungen in Art der farbigen Aufnahmen Bambergs (Kaiserpfalz, Kloster Michelsberg) von Wolfgang Katzheimer, kurz vor 1487-ca. 1500 entstanden. In der vorliegenden Zeichnung wählte Dürer ein völlig unberühmtes Motiv: Thema ist die sorgfältig ausgeführte Landschaft, in die unattraktive Gebäude des Stadtrands eingebettet sind, sowie die Drahtziehmühle (»trothzichmüll« ) - wenn man so will ein Industriegebäude - an der Pegnitz westlich von Nürnberg. Die Stelle ist heute noch wiederzuerkennen. Das eindrucksvolle Blatt, dem als Pendant die noch altertümlichere Zeichnung des Johannesfriedhofs (ehem. Bremen, Kunsthalle) zugeordnet werden kann, steht nicht nur am Anfang der deutschen Landschaftsmalerei, es eröffnet auch die Reihe der Dürerschen Landschaftsaquarelle. Die meisten Forscher datieren es in den Sommer 1494, nach Dürers Rückkehr von der Wanderschaft (Basel, Colmar, Straßburg, auch Niederlande?) und vor seinem Aufbruch zur ersten Italienreise; möglicherweise ist es jedoch schon um 1489/90 entstanden, nach der Lehre bei Michel Wolgemut und vor Antritt der Wanderschaft.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 107f., Kat. III.27 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Jacob van Ruisdael gilt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler, eine Gattung, die in kunsttheoretischen Schriften keinen hohen Rang einnahm.Nur eine weitere Ansicht Rhenens durch van Ruisdael ist erhalten (St. Petersburg); sie zeigt die Stadt aus entgegengesetzter Richtung. Beide müssen auf der Reise nach Bentheim entstanden sein, die der Künstler 1650/1653 unternahm. Das beliebte Motiv des Turmes der Cunera-Kirche als mächtigem, die Landschaft beherrschenden Kennzeichen, wird durch van Ruisdael auf die Spitze getrieben, indem er einen Blickwinkel wählt, der den Baublock der Kirche selbst hinter dem Turm verschwinden läßt, während von dem benachbarten großen Palast, den Friedrich V. von der Pfalz, der sogenannte Winterkönig, sich hier im Exil von Bartholomeus van Bässen hatte bauen lassen, nur die Dächer zu sehen sind. So kann der Kirchturm, in dessen Schatten sich der ganze Ort zu ducken scheint, bei van Ruisdael zum Angelpunkt einer asymmetrischen, aber wohlbalancierten Komposition werden. Dynamik entsteht durch die von links vorn nach rechts hinten schwingende Linie von Weg und Ufer, während die mit großer Leichtigkeit auf das Blatt gesetzten Wolken ein raffiniertes Gegengewicht zu dem aus der Mitte gerückten Turm bilden. (Um so schmerzlicher stört die übergroße Besitzermarke des Zaren.)Typisch für van Ruisdael ist die spürbare Distanziertheit vom Gegenstand, z.B. das Fehlen menschlicher Figuren, die der Darstellung einen Ernst, ja eine Strenge verleiht, die bei anderen holländischen Landschaftern selten zu finden sind.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 222, Kat. IV.75 (mit weiterer Literatur)

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