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Initialseite aus einem großen Psalterium

Ident. Nr.: Min 13794

ObjID: obj:944713

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giulio Clovio (1498),
Maler*in
Datierung
Herstellung: um 1569
Abmessungen
Höhe x Breite: 68,7 x 51 cm

Objektbeschreibung

Schon zu Lebzeiten wurde Giulio Clovio als »Michelangelo der Miniaturmaler« gerühmt. Vasari beschrieb die Werke seines Freundes bereits in der 1568 erschienenen zweiten Ausgabe seiner Künstlerviten. Nach wechselvollem Schicksal trat Clovio wohl 1537 in den Dienst des Kardinals Alessandro Farnese in Rom, für den er mit dem heute von der Pierpont Morgan Library in New York bewahrten Stundenbuch (M. 69) 1546 sein Meisterwerk vollendete. Nur wenige weitere Arbeiten sind dokumentiert, vor allem fehlen Nachrichten über die späte Schaffensperiode.
Dieser Phase müssen wir unsere Miniatur zurechnen. Eine Medaille in der Kartusche auf dem unteren Rahmen mit dem Profilbildnis Papst Pius V. (Ghislieri, 1566-1572) nennt in der Umschrift das dritte Jahr seines Pontifikats, 1569.
Auf einer Schrifttafel, von Rollwerk gerahmt und flankiert von Sirenen, stehen in Gold auf purpurnem Grund die Anfangsworte des 52. (53.) Psalms DIXIT INSIPIENS IN CORDE SVO N0(n) EST DEVS (es spricht der Tor in seinem Herzen, es ist kein Gott). Darüber ist im üppig verzierten Initial D König David im Hofe seines Palastes dargestellt. Vom Rücken gesehen weist er mit der ausgestreckten Rechten auf eine Gruppe im Mittelgrund, wo ein Mann im Narrenkostüm mit einer Windmühle, wie eine Lanze unter dem Arm, auf einem Steckenpferd reitet, angefeuert von einem Kind und einem bellenden Pudelhündchen. Durch einen Torbogen öffnet sich der Blick auf einen Tempel und eine burgartige Stadt. Die von einem Putto im Vordergrund gehaltene Harfe kennzeichnet David als Psalmist.
Vermutlich gehörte das Blatt zu einem für die päpstliche Kapelle bestimmten Prachtpsalter mit der sogenannten kleinen Gebetsteilung, die die Psalmen 1, 26, 38, 52, 68, 80, 97 und 109 betont und mit Bildern schmückt. Die Szene ist eine Illustration des 52. Psalms (der Text ist auf der Rückseite des Blattes mit den Versen 2-5 fortgesetzt), dessen Aussage sie im Wortsinn wiedergibt. Diese Art der Umsetzung ist keine Neuerfindung; schon früher gibt es die Verbindung von Wort und Bild für den 52. Psalm, z.B. in den Bildern zum Alten Testament von Holbein, gedruckt 1538 in Lyon, freilich nicht in derselben reichen Ausstattung wie sie hier noch durch die Darstellungen im Rahmen ergänzt wird. Neben den allegorischen Frauengestalten von Glaube, Liebe und Hoffnung sind es Engelsputten mit Passionszeichen (Kelch, Dornenkrone, Namenstafel), musizierende und aus Notenbüchern singende Putten in den kandelaberartig aufsteigenden Ornamenten. Während die obere Kartusche von Eroten gehalten wird, die aus Blattvoluten wachsen, stehen unten seitlich Löwen, die über seidenen Decken mit dem Ghislieriwappen links (rechts unleserlich, Papsttiara?) Blumenkörbe tragen. Die geflochtenen Rahmenleisten sind mit Gemmen besetzt, die Steinschnitte nachahmen; über dem Papstbildnis das Wahrzeichen Roms, die Wölfin mit Romulus und Remus.
Bunte Farbigkeit in hellen Tönen und Abstufungen vermittelt den Eindruck von Leuchtkraft und Fülle. Der Figurenstil ist von Vorbildern und Anregungen der römischen Hochrenaissance in der Nachfolge Raffaels geprägt, in der Ornamentik und Einzelmotiven mit manieristischen Zügen durchsetzt. Diese Anpassungsfähigkeit kennzeichnet die Arbeiten von Giulio Clovio, dem die Miniatur zugeschrieben wird.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 62, Kat. I.16 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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