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Kopf einer jungen Frau

Ident. Nr.: KdZ 1070 verso

ObjID: obj:946321

Details (Expert)

Datierung
Herstellung: 1515 - 1520
Material / Technik
Schwarze Kreide und Pinsel
Abmessungen
Höhe x Breite: 27,6 x 19,6 cm

Objektbeschreibung

Die Deutungsvorschläge für diese Zeichnung sind vielfältig. Hielten Schmid, Hagen und Réau die dargestellte Person zunächst noch für einen Mann, so setzte sich vornehmlich wegen der gescheitelten Frisur mit geflochtenem Haarkranz und schmalem Schmuckband bald die Deutung als Studie einer jungen Frau durch – eine sicherlich zutreffende Einschätzung. Sehr wahrscheinlich handelt es sich sogar um eine Studie nach dem lebenden Modell. Aber auch diese Bildniszeichnung zeigt eine merkliche Bindung an Grünewalds physiognomische Darstellungsmuster bzw. Schönheitsideale. Die junge Frau charakterisieren kleine, schmale Augen in einem großflächig angelegten Gesicht mit hoher, stark gewölbter Stirn. Die Jochbeinpolster sind prall gerundet, und die Wangen münden seitlich fast übergangslos in das leichte Doppelkinn. Auf Gesicht, Haar, Hals und Ohr sind die Beleuchtungswerte so präzise gesetzt, daß selbst die heute erheblich beriebene Zeichnung noch den Eindruck eines genau beobachteten Licht- und Schattenspiels vermittelt.
Ungeklärt bleibt weiterhin die immer wieder versuchte Anknüpfung der Studie an ein dokumentiertes oder gar an ein erhaltenes Werk Grünewalds. Verfechter einer Spätdatierung der Zeichnung auf der Vorderseite suchten Vergleichswerke in der Zeit um 1520. Folgerichtig bezog Zülch die Figur auf die von Sandrart ebenfalls erwähnten »Heiligen in sonderbarer Zierlichkeit […] S. Catharina, S. Barbara, Caecilia, Elisabetha, Apollina [Apollonia] und Ursula, alle dermassen adelich, natürlich, holdselig und correct gezeichnet, auch so wol coloriert, dass sie mehr im Himmel als auf Erden zu seyn scheinen«.5 Diese Heiligen erschienen auf einem anderen Altargemälde Grünewalds im Mainzer Dom, dem Marienaltar, zu dem sich als einzig gesicherte Vorzeichnung die Rotterdamer Studie zur Muttergottes in den Wolken (Nr. 8) erhalten hat. Mit Recht wurde darauf verwiesen, daß der demutsvoll gesenkte Blick der jungen Frau eher im Zusammenhang einer Darstellung der Anbetung des Kindes zu denken wäre als in dem deutlich auf die himmlische Sphäre ausgerichteten Mainzer Altar.

Text: Michael Roth: Matthias Grünewald. Die Zeichnungen.
Im Auftrag des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft herausgegeben von
Rüdiger Becksmann. Berlin 2008, S. 68, Kat. 24 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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