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Kopf des heiligen Paulus Eremita

Ident. Nr.: KdZ 21572

ObjID: obj:947314

Details (Expert)

Beteiligte
Guido Reni (1575 - 1642),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1620/21
Abmessungen
Höhe x Breite: 36,5 x 26,5 cm (ohne angestückelten oberen Rand)
Erwerbung
1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben

Objektbeschreibung

Guido Reni war schon während seiner Lehre bei Denys Calvaert von der neuartigen Auffassung und den Umgangsweisen an der Akademie der Carraccis begeistert [...]. 1594 trat er offiziell in deren Atelier ein. In bewußter Gegnerschaft zur stilisierten Malweise der Zeitgenossen suchte man hier eine größere Nähe zur Natur und einen einfacheren und weicheren Modus, »der imstande wäre, >viva carne<, >das lebendige Fleisch< wiederzugeben« (zit. nach Ebert-Schifferer, in: Kat. [Guido Reni. Ruhm und Nachruhm, Frankfurt/Bologna] 1988, S. 16). Ein schönes Beispiel für dieses Streben ist unsere ungewöhnlich groß und nahsichtig erfaßte Kopfstudie. Sie zählt zu den Vorarbeiten für das Gemälde »Madonna mit Kind und Heiligen« von Reni, das 1621 erstmals erwähnt und heute in Dresden aufbewahrt wird [...]. Das Hauptinteresse des Zeichners galt der Physiognomie des Alters. Während der Schulteransatz, das Haar und der Bart durch großzügige Wellenlinien nur anskizziert sind, die vom Stofflichen fast ganz abstrahieren, verdichten sich die Strichlagen - unterstützt von koloristischen Akzenten und aufgesetzten Lichtern - in der Gesichtspartie, wo sie die unteren Stirnfalten, Augen, Nase und Mund beschreiben. Die Technik, mit drei verschiedenfarbigen Kreiden zu zeichnen, war zwar nicht neu (Bassano, Zuccari, Barocci, Cesari u.a.; [...]), aber Guido Reni führte sie im 17. Jahrhundert zu kaum übertroffener Meisterschaft. Wie die ausgestellte Studie in hoher Qualität zeigt, gehen die Striche bzw. Strichverbände der Kreiden eine vitale Symbiose ein, wobei sie die jeweils eigene, lokale Funktion nicht verhehlen: Formen zu deskribieren, Haut und Wärme anzudeuten, Lichter und Schatten zu setzen.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 278-279, Kat. V.39 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Zwei mehrwöchige Salzburger Aufenthalte wurden für Ferdinand Olivier in den Jahren 1815 und 1817 zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Wie auch die anderen deutschen Maler seines Wiener Umkreises, die in diesen Jahren die Landschaft des Salzkammergutes entdeckten, fand er hier zu seiner gültigen Landschaftsauffassung. In zahlreichen, zum Teil erst nach seiner Rückkehr in Wien ausgeführten Blättern verbindet er die Motive der Stadt und der Bergwelt zu kunstvollen Kompositionen, Höhepunkte seiner Zeichenkunst.Schon beim ersten Aufenthalt faszinierte ihn der Petersfriedhof, häufiges Motiv bei der romantischen Entdeckung Salzburgs. Er stellte ihn mehrfach in ganz verschiedenen Jahr 1816 datiert eine Bleistiftzeichnung von seiner Hand (Kupferstichkabinett, Dresden; Ludwig Grote: Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin 1938, Abb. 136), die er mit geringen Unterschieden zweimal wiederholt: durch eine Bleistift- und Rötelzeichnung (Staatliche Galerie, Dessau) und die vorliegende Federzeichnung. Sie wird als unmittelbare Vorarbeit für die Lithographie des Sonnabend-Blattes der Folge »Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden, geordnet nach sieben Tagen der Woche« gedient haben (vgl. Grote 1938, Abb. 137). Die Resonanz, die seine Zeichnungen von Salzburg und Folge von Lithographien in Wien auszuführen. Sie erschien 1823. Die Ansicht zeigt den Petersfriedhof mit dem Blick auf die frühbarocke Arkaden-Reihe und die sich darüber erhebende Nagelfluh-Wand zwischen Mönchsberg und Festungsberg mit der Maximin- und Gertrauden-Kapelle sowie den frühchristlichen Katakomben. Rechts erhebt sich die spätgotische Margarethen-Kapelle. Der Friedhof mit seinen Gräbern und Kreuzen, die Kapellen, schließlich der Begräbniszug im Hintergrund entlang der Arkaden: das alles sind neben der Freude am Motiv auch Aufforderungen des romantischen Künstlers, der Vergänglichkeit des Menschen stets gegenwärtig zu sein.Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 369, Nr. VII.15 (mit weiterer Literatur)