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Beweinung Christi unter dem Kreuz

Ident. Nr.: Min 3996

ObjID: obj:950115

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lehrbücher-Meister (1451/1500),
Buchmaler*in
Datierung
Herstellung: um 1465
Systematik/Art
Material / Technik
Deckfarben auf Pergament
Abmessungen
Höhe x Breite: 25,8 x 20,2 cm

Objektbeschreibung

Auf den ersten Blick an ein niederländisches Vorbild in der Art des Roger van der Weyden erinnernd, geht die Miniatur sicher auf derartige Anregungen zurück. Neuerdings wurde sie mit Arbeiten eines österreichischen Illuminators, dem Meister der Lehrbücher Maximilians, des späteren Kaisers, in Verbindung gebracht.
Die Gruppe der um den toten Christus Trauernden beherrscht das Bildfeld - in geschlossenem Umriß fast wie ein Relief - vor einer Landschaft, die mit Stadt (Jerusalem), Wasser und Bergen sich unter wolkenbedecktem Himmel im Hintergrund erstreckt. Diesen Eindruck betonen die starren, dunklen Balken des Kreuzes und die daran lehnende Leiter. Mittelalterlicher Tradition folgend sind eine kniende Frau mit Krone und ein sie empfehlender Heiliger in der linken unteren Ecke kleiner wiedergegeben. Der Rahmen mit ausgeprägten Profilen, Leistenverzierung und aufgesetztem Perl- und Steinschmuck verstärkt die bildmäßige Wirkung der Miniatur, die gleichsam vor das mit feingestricheltem Ornament verzierte Pergamentblatt gesetzt ist.
Nach den beiden auf der unteren Rahmenleiste angbrachten Wappen, rechts der kaiserliche Doppeladler, links das von Portugal, ist die Stifterin Eleonore von Portugal, die 1450 Kaiser Friedrich III. heiratete. Ihr Tod 1467 begrenzt die Zeitspanne, in der die Miniatur entstanden sein müßte, übereinstimmend mit den beiden Jahrzehnten, in denen Arbeiten des Lehrbüchermeisters nachgewiesen sind. Bereits in seinen 1453 datierten Miniaturen für die Matrikel der Ungarischen Nation an der Universität Wien (Universitätsarchiv, N. H. 1, fols. 5r, 15v) finden sich die charakteristischen Blattformen, wie sie auf der Rahmenleiste einen Stab umwinden. Diese Ornamentik tritt aber auch noch in den Lehrbüchern Maximilians auf. Von diesen späteren Arbeiten des Meisters zeigt die vor dem Schmerzensmann kniende Gestalt des Königs Matthias von Ungarn im Missale von 1469 (Rom, Bibl. Vaticana, Rossiana 1164, fol. 126v) die gleichen figürlichen Merkmale, besonders in der Kopfform und Zeichnung des Gesichtes, Haarbehandlung und Bügelkrone; nur die Gewandfalten sind auf der Berliner Miniatur ausgeprägter. Hier erscheint die Eigenart des Lehrbüchermeisters gut faßbar und die Zuschreibung von Rosenauer überzeugend. Weniger sicher ist, ob das auf der Rückseite unbeschriebene Blatt Teil eines Reisealtärchens bildete, als Andachtsbild gedacht war oder aus einer Handschrift (Gebetbuch?) entnommen ist.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 54, Kat. I.8 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 18.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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