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Bildnis eines Mädchens

Ident. Nr.: KdZ 5612

ObjID: obj:952554

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giambattista Piazzetta (13.2.1682 - 29.4.1754),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1730/1740
Abmessungen
Höhe x Breite: 36,9 x 26,5 cm

Objektbeschreibung

Piazzetta legte den Kopf der jungen Frau im verlorenen Profil (»un quarto d'occhio«) über einer ersten Konturskizze an, die mit ihren dünn zeichnenden Linien noch deutlich an Nasen- und Handrücken zu sehen ist. Handgestus, gesenkter Blick und die Wendung des Kopfes geben den Eindruck innerer Sammlung wieder - einer Abgeschiedenheit, welche dem Betrachter Zeit und Raum läßt für das Studium der ästhetisch-stofflichen Qualitäten der Zeichnung: So wird die Aufmerksamkeit direkt auf das mit satter Kohle akzentuierte, locker hochgesteckte Haar gelenkt, auf den durch spitz aufgesetzte Striche pludrig wirkenden Pelzkragen und auf die zart modellierten Hautpartien, die durch weich verriebene Kreidepigmente erzeugt sind. Trotz des ausschnitthaften und transitorischen Eindrucks ist die Zeichnung in den wesentlichen Teilen durchkomponiert, ein vollendetes Kunstwerk von höchster Qualität.
Piazzetta erhielt eine frühe Ausbildung bei seinem Vater Giacomo, dann in der Werkstatt Antonio Molinaris; es folgte eine längerer Aufenthalt in Bologna bei Giuseppe Maria Crespi. Ab 1711 ständig in Venedig ansässig, wurde er dort 1754 zum ersten Direktor der Akademie berufen. Neben Altargemälden und Genrebildern schuf Piazzetta viele Zeichnungen, unter denen die Köpfe und Schulterstücke - manchmal ergänzt um geringes, narratives Beiwerk - einen besonderen, kunstgeschichtlich neuartigen Typus bildeten. Sie fanden schon zu Lebzeiten des Künstlers ihre Sammler und auch ihren Gattungsbegriff: Giambattista Albrizzi schrieb in seiner Biographie Piazzettas, daß dieser im häuslichen Kreis seiner Familie einige »Teste al Naturale« gezeichnet habe, die teilweise von einzigartigem Wert seien (Albrizzi [Studi di Pittura, Venedig] 1760, S. 13). Im Hinblick auf Haltung und Physiognomie des Kopfes bestehen Ähnlichkeiten zwischen dem hier ausgewählten Stück und zwei weiteren Kreidezeichnungen, dem um 1725 datierbaren Porträt von Piazzettas Frau Rosa in Windsor Castle und dem später entstandenen, mutmaßlichen Bildnis der Tochter Barbara in Mailand [...].

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 290-291, Kat. V.53 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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