Logo

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten und Erscheinung Gottvaters mit Taube, Säule und Kreuz

Ident. Nr.: KdZ 16356

ObjID: obj:953875

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Pier Francesco Mola (2.1612 - 13.5.1666),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1660
Abmessungen
Höhe x Breite: 12,3 x 18,9 cm
Erwerbung
1843 von Michelangelo Pacetti, Rom, erworben

Objektbeschreibung

Die malerische Wirkung des Blattes ist typisch für Mola und resultiert aus dem Wechselspiel von zwei Zeichenmitteln: Während die braune Feder teils sanft geschlängelte, teils krakelige und dick anschwellende Striche bildet, welche die Komposition eruieren und straffen, setzt der Pinsel kontrastreiche Schattenwerte hinzu, indem er die unterschiedlich stark verdünnte Tusche in leicht nuanciertem Kolorit einmal auf dem Papier zerlaufen, dann wieder Form annehmen läßt.
Mola beschäftigte sich über seine ganze Schaffenszeit hinweg mehrfach mit dem Thema der »Ruhe auf der Flucht« [...]. Allein im Berliner Kupferstichkabinett haben sich vier Zeichnungen dazu erhalten. Die hier vorgestellte Variante ist aufgrund der sicheren Auffassung und der hohen Abstraktion in die Spätzeit des Künstlers zu datieren. Ikonographisch kann man die Verbindung der Flucht nach Ägypten mit der Erscheinung Gottes, des Hl. Geistes und einer Schar von Engeln, die die Passionssymbole Kreuz und Geißelsäule tragen, als Beginn der Via crucis des Jesusknaben deuten. Vorbilder sind im Kreis von Poussin zu benennen, dem das Blatt auch stilistisch verwandt ist. Die deutlichste Verbindung besteht zu der um 1635/37 entstandenen Radierung »Traum des Hl. Joseph« von Pietro Testa [...]. Während Testa jedoch den Hauptakzent auf eine vielfigurige, statische Exegese mit dem Kreuz im Zentrum setzt, bettet Mola das Geschehen als Vision in die bewegte Landschaft ein.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 282, Kat. V.43

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)