Logo

Der hl. Hieronymus, vor dem Kruzifix sich kasteiend

Ident. Nr.: KdZ 4750

ObjID: obj:957313

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Wolf Huber (um 1485 - 1553),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1540-1550
Abmessungen
Höhe x Breite: 21,2 x 16,9 cm

Objektbeschreibung

Der seit 1515 in Passau nachweisbare und später in Diensten des fürstbischöflichen Hofes tätige Wolf Huber ist neben Albrecht Altdorfer einer der führenden Vertreter des so genannten "Donaustils". Diese „Schule“ ist geprägt von der Entdeckung der Landschaft als eigenständiges Bildthema und ihrer Nutzung als Bedeutungsträger. So unterstreicht Huber auch in dieser Zeichnung des hl. Eremiten, Bibelübersetzers und Kirchenvaters Hieronymus das Zusammenspiel von Kreatur und Landschaft. Nur mit einem transparenten Umhang bekleidet, schreitet der bärtige Hieronymus mit ausgebreiteten Armen und Marterstein in der Hand auf den – wie ein Wegkreuz - schräg im Bild stehenden Kruzifixus zu. Die hinter dem Heiligen aufragenden, kargen Bäume spiegeln gewissermaßen das Kreuz und unterstreichen so die gewünschte Gleichsetzung des kasteienden Eremiten mit dem Gekreuzigten im Sinne eines Kompassiomotivs. Nicht recht zur Einöde passen will hingegen der Renaissancepalast mit hoher Freitreppe im Hintergrund, möglicherweise eine Reminiszenz an Hubers Betätigungen auf dem Felde der Architektur.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)