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Brustbild eines jungen Mannes

Ident. Nr.: KdZ 60

ObjID: obj:957770

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1520
Weitere Titel
Sammlungstitel: Brustbild eines jungen Mannes
Bildnis eines jungen Mannes
Provenienz
Carl von Hochschild (1785-1857),
1853
Abmessungen
Blattmaß: 36,7 x 25,9 cm

Objektbeschreibung

Obwohl die Zeichnung immer wieder kritisch auf ihre Technik angesehen wurde, bemerkte erst F. Anzelewsky in jüngster Zeit Pinselspuren auf ihr. In höchst taktvoller Weise ging ein grauer Pinsel akzentuierend über das ganze Blatt: Mützenbänder und Kanten der Mützenaufschläge, Haarlocken, besonders an der Wangenlinie entlang, Schatten unterm Nasenflügel und um die Augen, Augenbrauen und Schläfe, am Hals, im Gewand. Im dunklen Kragen erscheint der sonst hellgraue Pinsel schwarzgrau, er paßt sich der Umgebung an. An der ergänzten Ecke oben links finden sich ebenfalls Spuren eines hell- und dunkelgrauen Pinsels, der anscheinend auch in den schwarzen Hintergrund hineinarbeitete. Da Dürer in seine Kohle oder Kreidezeichnungen sonst nicht mit dem Pinsel hineinzeichnete, drängt sich die Frage auf, ob die Überarbeitung von fremder Hand stammen könnte. Die von Winkler bemängelte "Starrheit'; verursacht vor allem durch die vom Pinsel gegebenen harten Licht- und Schattenkanten an Augen, der Nasenwurzel und am Nasenflügel abwärts, fände so eine Erklärung.
Andererseits fügen sich die Pinselstriche der Darstellung vollkommen ein; Dürer verwendete hier ungewöhnlicherweise drei verschiedene Zeichenstifte; die Zuhilfenahme eines Pinsels könnte auch als Experiment gedeutet werden, die Ausdruckskraft des Porträts zu erhöhen.
Immerhin nennt Flechsig dieses Kohlebildnis eines der schönsten, das Dürer in den Niederlanden gemacht habe, und Winkler erinnert die Schönheit des Linienwerks an eine ins Große übersetzte Silberstiftzeichnung.
Unlösbar bleibt die Identifizierung des Dargestellten. Im Tagebuch nennt Dürer eine große Anzahl von Personen, die er "mit den Kohln conterfet" habe (vgl. Flechsig 11, S. 228). In keinem Fall jedoch erwähnt er die Hinzunahme eines Pinsels, was bei der zeitraubenden Herstellung unserer subtilen Pinselüberarbeitung nahegelegen hätte (ein weiteres Argument gegen
die Eigenhändigkeit des Pinsels auf unserem Blatt). Flechsigs mehr nachdenklicher als scharfsichtiger Versuch, den jungen Mann auf unserer Zeichnung für Rodrigo de Almada (unsere Kat. Nr 105) zu halten, stieß bei allen Forschern auf größte Skepsis und ist abzulehnen.
Lit.: Hausmann 1861, S.115, Nr 1. - Stillfried-Alcantara 1871. -Lippmann 1882, S.15, Nr136.Thausing 1884, II, S.198. - Wölfflin 1914, S.18, Nr60.-Veth-Muller1918, I, S. 37, Taf.XXXVI. - Meder 1919, S. 592. - Friedländer, Bock 1921, S. 32. - Winkler 1947, S. 26. - Winkler 1951, S. 38. - Musper 1952, S. 276. - Winkler 1957, S. 302. - Goris-Marlier 1970, Nr 53.
Ausst.: Berlin 1893, Nr34. -LiverpooI1910, Nr 747. -Bremen 1911, Nrl028. -Berlin 1928, Nr 89. - München 1956, Nr 63. - Berlin 1967, Nr 61. H. M."

Kat. Berlin 1984, S. 107.

Letzte Aktualisierung: 06.01.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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