Logo

Verkündigung an Maria

Ident. Nr.: KdZ 15549

ObjID: obj:958150

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giorgio Vasari (1511-1574),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1545 (?)
Abmessungen
Blattmaß: 22,2 x 19,4 cm

Objektbeschreibung

Dieses außergewöhnliche Blatt wurde von Philipp Pouncey als Werk Vasaris erkannt (Aufschrift auf der Unterlage), blieb aber bislang unpubliziert. Dies mag auch an der Schwierigkeit liegen, den Entwurf mit einem ausgeführten Werk – aufgrund der extremen Untersicht der Komposition darf man wohl an ein Deckengemälde denken – in Verbindung zu bringen. Von Vasari sind in der Tat einige Verkündigungsdarstellungen, Gemälde und Zeichnungen, bekannt und alle enthalten sie Elemente, die Details auf diesem Blatt durchaus ähnlich sind, doch insgesamt zu wenig, um konkrete Anknüpfungspunkte zu bieten. Eine Datierung in die Jahre nach dem Aufenthalt Vasaris in Venedig 1541/42 erscheint am wahrscheinlichsten. In diesen Jahren beginnt Vasari, auch farbige Papiere, wie hier eine carta azzurra, für seine gezeichneten modelli zu verwenden (vgl. F. Härb: Theorie und Praxis der Zeichnung bei Giorgio Vasari, in: Zeichnungen aus der Toskana. Das Zeitalter Michelangelos, hrsg. von E.-G. Güse und A. Perrig, München 1997, S. 50-63, S. 59), welche zusammen mit den mit dem Pinsel aufgetragenen Lavierungen und Weißhöhungen eine äußerst malerische Wirkung erzielen. Die herausragende Eleganz und Frische des Blattes erinnert zudem an eine von Catherine Monbeig-Goguel in diese Jahre datierte Zeichnung im Louvre (Inv. 2086) mit der Anbetung der Hirten, in welcher das Gesicht Mariens eine große Ähnlichkeit zum Antlitz der Jungfrau im vorliegenden Werk aufweist. Die Intensität des Ausdrucks und die energiegeladene Spannung, die zwischen den Protagonisten entsteht, erreichte der Künstler hier durch Reduzierung auf das Wesentliche. Architektonische Elemente wie die kassettierte Decke, das Portal im Hintergrund und der zeltförmige Baldachin verstärken und unterstreichen die Klarheit der Komposition.

Text: Dagmar Korbacher in: Heiko Damm & Dagmar Korbacher, Das Jahrhundert Vasaris. Florentiner Zeichner des Cinquecento, hg. vom Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 2011, S. 39, Kat. 16

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)