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Schlafzimmer des Künstlers in der Ritterstraße

Ident. Nr.: A I 860

ObjID: obj:958366

Details (Expert)

Beteiligte
Adolph Menzel (1815 - 1905),
Maler*in
Datierung
1847
Provenienz
Privatbesitz ("M. C. O."), Berlin,
3.8.1905
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 56 x 46 cm
Erwerbung
1905 Ankauf durch Vermittlung der Kunsthandlung R. Wagner, Berlin

Objektbeschreibung

Da die Maße denen des »Balkonzimmers« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 744) gleichen, könnte ein Bildpaar beabsichtigt gewesen sein. Inzwischen waren Menzels aus der Schöneberger in die Ritterstraße umgezogen; da dies im April 1847 geschah, muß das Bild wenige Monate darauf entstanden sein. Es ist in mehrfacher Hinsicht beunruhigend. Den Vordergrund besetzt – mit mächtiger, fast zudringlicher Präsenz ähnlich den Baumkronen in »Bauplatz mit Weiden« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 900) – das spartanische Lager mit der dünnen Decke, die sich den Unformen eines notdürftig zurechtgedrückten Federbettes anschmiegt und deren schleierig changierende, bleiche Farbe ein Leichentuch suggeriert: Das im Banalen eingeborgene Schauerliche der Berliner Romantik. (Die wohl etwas ältere große Zeichnung eines zerwühlten »Ungemachten Bettes« im Berliner Kupferstichkabinett zeugt von Menzels Interesse für dieses Motiv, wie für jede Art von Unordnung.) Überraschend auch, ganz im Unterschied zur entschiedenen Fokussierung des Blicks in »Balkonzimmer« oder erst recht in »Blick auf Hinterhäuser« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 1057), die gleichmäßig auf Nähe und Ferne gerichtete Aufmerksamkeit. Die ganze schmale, eilig fluchtende Strecke vom vorderen Saum der Bettdecke bis zur Kirchturmspitze am Horizont ist mit Bedeutung besetzt – eine Zumutung an den Wahrnehmenden, die die malerische Verflüchtigung der linken Wand eher noch unterstreicht. Auf dieser Tiefenstrecke muß nicht nur, hinter dem Fensterkreuz, eine Raumlücke überwunden werden – in der unsichtbaren Tiefe sind die in »Blick auf Hinterhäuser« angedeuteten Gärten und Höfe zu ergänzen –, es stoßen auch das gedämpfte Innenlicht mit seinem matten Rot, Caput mortuum und Braun und das kontrastreiche, helle Außenlicht aufeinander. So ergeben sich auch zwei unterschiedliche malerische Modi: Detailreich und vielteilig scharf wie die Gruppe der Häuser und Gärten wiedergegeben ist, erscheint sie wie einmontiert in das sonst so frei hingewischte Bild, wie ein Ausblick auf besänftigende Objektivität nach der malerischen Gespensterfahrt durch ein unheimliches Heim. Zwischen beiden Zonen ein schattenhaftes Profil, das unterschiedlich gedeutet wurde; vermutlich ist Richard Menzel, der jüngere Bruder, gemeint. Die Mitte des Bildes gehört einer Demonstration von Ungewißheit, ähnlich dem hellen Fleck an der Wand des »Balkonzimmers«. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Märkische Landschaft

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Im Sommer 1880 lebten und arbeiteten die Malerfreunde Carl Schuch und Karl Hagemeister gemeinsam in Kähnsdorf bei Beelitz in der Mark Brandenburg. Hagemeister stammte aus dieser noch ganz unbekannten herben Landschaft, in die er den gebürtigen Wiener geladen hatte. Während Schuch, vom Stilleben herkommend, über die Einbeziehung von Architektur versuchte, sich den Formen der Landschaft zu nähern (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 35), bedurfte Hagemeister keiner geraden Linie für seine große »Märkische Landschaft«. Sie ist übersichtlich gegliedert: der See im Vordergrund, die geschwungenen Uferstreifen in der Mitte und große Baumgruppen vor einem bewölkten Himmel im Hintergrund.In seinen Erinnerungen notierte Hagemeister über die Aufenthalte in der Mark Brandenburg, »hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet« (K. Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928, Typoskript im Archiv des Bröhan-Museums, Berlin). Doch scheint auch Schefflers Hinweis auf die intime Naturauffassung der Malerschule von Barbizon, mit der sich Hagemeister während seiner Weimarer Lehrzeit beschäftigt hatte, sehr angebracht.1910 veröffentlichte Karl Scheffler in der Zeitschrift »Kunst und Künstler« eine erste Würdigung des Malers: »Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen« (in: Kunst und Künstler, 8. Jg., 1910, S. 415–416).Fünfzehn Jahre vor Leistikows »Grunewaldsee« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 622) erfaßte Hagemeister die Schönheit märkischer Seen in diesem dunkeltonigen, groß aufgefaßten, auffallend ähnlich kurvenreichen Landschaftsbild. | Angelika Wesenberg

Der Watzmann

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