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Gefangene Kavaliere vor Cromwell

Ident. Nr.: A I 34

ObjID: obj:958444

Details (Expert)

Beteiligte
Constantin Johann Franz Cretius (1814 - 1901),
Maler*in
Datierung
1867
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 96 x 125 cm
Erwerbung
1868 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Cretius erfuhr in den 1830/40er Jahren seine prägenden künstlerischen Erfahrungen in Paris und Brüssel. 1860 wurde er Mitglied der Berliner Akademie, 1868 erhielt er die Große Goldene Medaille der Akademie für sein Bild »Gefangene Kavaliere vor Cromwell (nach der Schlacht vor Worcester)«, das daraufhin für die Nationalgalerie erworben wurde.
Die Person Oliver Cromwell war Jahre zuvor, in der bewegten Zeit um 1848, ein auch zeitgeschichtlich bedeutsames Thema gewesen. Die Ereignisse um den Begründer der englischen Republik besaßen damals ein »ergreifendes Interesse«, wie der Stifter der Nationalgalerie, Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, der mehrere entsprechende Bilder erwarb, es formulierte (Brief Wagener an Hermann Stilke, zit. nach: Die Gründung der Nationalgalerie in Berlin, Köln 2013, S. 284).
Cretius, der das Motiv in den 1860er Jahren mehrfach erneut aufnahm, verfolgte wohl einen anderen Aspekt der Geschehnisse, der aber ebenfalls von Interesse gewesen sein wird. Er zeigt keine Schlachten, sondern einen sinnenden Cromwell und das Aufeinandertreffen zweier Parteien und Kulturen. So verstand auch der Rezensent der »Zeitschrift für bildende Kunst« das Bild: »Das ist ein so prägnantes Zeitbild und vergegenwärtigt mit solcher Schärfe die auf einander platzenden Gegensätze in ihrem Wesen, ihrer Berechtigung und ihren Fehlern, daß dieses Bild – zumal mit Rücksicht auf seine treffliche malerische Ausführung – zu den gelungensten Versuchen gehört, der Darstellung geschichtlicher Gegenstände ein wirkliches, lebendiges Interesse abzugewinnen« (Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst, 4. Jg., 1869, H. 8, S. 719).
Unser Bild zeigt eine finster freudlose Szene: Cromwell, ein Geistlicher und ein weiterer Berater sitzen am Tisch, hinter ihm liest ein Puritaner im Brevier, ein geharnischter Krieger und ein weiterer Mann stehen dabei; andere Puritaner und Krieger führen einen Kavalier aus dem Heere des Königs, begleitet von seinem kleinen Sohn und dem alten Vater herein, trotz ihrer hoffnungslosen Situation sind sie die farbigsten Personen in diesem Raum.
Nach der Schlacht bei Worcester am 3. September 1651, der letzten im Englischen Bürgerkrieg, wurden Tausende der Gefangenen in die neu gebildete Parlamentsarmee zwangsverpflichtet oder in die Kolonien, nach Neuengland oder Westindien, zur Zwangsarbeit deportiert. Ähnliches kann auch diesen Kavalier erwartet haben.
Die Kunstzeitschrift »Dioskuren« stellte in ihrem Beitrag die allseitige Empathie des Künstlers heraus: »Der Gegensatz zwischen der ruhigen, seiner selbst gewissen Haltung Cromwell’s, der, im Lehnstuhl sitzend, die Vorführung der Gefangenen erwartet und in keinem Zuge seines edlen, aber gelblichen Gesichts verräth, was in seinem Innern vorgeht, und der nicht minder stolzen Haltung des gefangenen Cavaliers, welcher mit seiner Rechten den theuren Sohn umfaßt hält, während der greise, sich auf einen Stock stützende Vater die Hand, wie zur Fassung mahnend, auf seine linke Schulter legt, ist gerade durch die außerordentliche Ruhe und die Vermeidung jedes konventionellen Geistes, wahrhaft ergreifend« (Dioskuren, 13. Jg., 1868, Nr. 13, S. 310).
1870 zeigte die permanente Ausstellung des Berliner Künstlervereins von Cretius eine Studie, »Cromwell in Gedanken sitzend« (Museum Folkwang, Essen). Vier Jahre zuvor, 1866, hatte Cretius das Bild »Der Empfang der Salzburger Protestanten durch Friedrich Wilhelm I.« (zuletzt Sotheby’s München, Auktion vom 2.12.1997) in Berlin gemalt, das nährt die Vermutung, daß der sich vorbereitende Kulturkampf mit der katholischen Kirche unter Bismarck das neue Interesse an dem englischen Konfessions-, Kultur- und Bürgerkrieg nährte. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Läuferin

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Der aus Riga stammende Starck begann sein Studium in Stuttgart und wechselte 1887 an die Berliner Hochschule für die bildenden Künste. Dort studierte er bei Albert Wolff, Fritz Schaper und Ernst Herter, von 1891 bis 1898 war er Meisterschüler von Reinhold Begas. Sein 1891 entstandener „Flötenspieler“ weist noch letzte Wurzeln im Neobarock auf, ehe sich der Bildhauer verstärkt einer neoklassizistischen Formensprache zuwandte, wie sie in seiner Bronze „Träumerei“ (1898, B I 129) oder auch in der polychrom gefassten Marmorarbeit „Die Quelle“ (1903, B I 200) zu beobachten ist. Die kleinformatige Statuette einer antikisierend gestalteten Läuferin im weiten Ausfallschritt und mit erhobenem rechten Arm wurde 1928 vom Kultusminister für die Nationalgalerie angekauft. In Starcks handschriftlichem Werkverzeichnis (NL Starck, vgl. Sabine Hannesen, Der Bildhauer Constantin Starck (1866–1939). Leben und Werk, Frankfurt am Main 1991, Kat. Nr. 154) lautet der Titel „Läuferin“; in anderer Literatur werden auch „Im Ziel“, „Am Ziel“ oder „Durchs Ziel“ genannt. Der Originalgips befindet sich im Besitz der Erben des Künstlers in Berlin. Nicht zuletzt durch die Statuetten der Bildhauerin René Sintenis (vgl. etwa „Der Läufer Nurmi“, B I 463) erfreuten sich in der Weimarer Republik Darstellungen von Sportlern zunehmend großer Beliebtheit. Starck betrieb häufig Studien auf Sportplätzen, die er mehrfach in entsprechende Motive umsetzte und teilweise lebensgroß ausführte: Golfspielerinnen, Tennisspielerinnen und andere, von denen manche auch in kleinformatigen Wiederholungen angeboten wurden. Vom vorliegenden Motiv ist keine großformatige Version bekannt. | Yvette Deseyve und Bernhard Maaz

Tafelaufsatz

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Der zunächst als Illustrator und Grafiker tätige Geyger beschäftigte sich 1886 erstmals autodidaktisch mit der Bildhauerei. Sein figürlich ausgestalteter Standspiegel (1896, B I 136), modelliert für Kaiserin Victoria, sowie sein von Kaiser Wilhelm II. für den Schlosspark Sanssouci erworbener „Bogenschütze“ (1900) zählen zu seinen bekanntesten Werken. Großen Anteil an der Verbreitung hatte die vielfache und in verschiedenen Formaten ausgeführte Reproduktion seiner Arbeiten sowohl durch die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige (WMF) als auch durch die Gießerei der Aktien-Gesellschaft Gladenbeck. Ebenfalls aus der Produktion Gladenbecks stammt der kunsthandwerkliche Entwurf eines Tafelaufsatzes mit figuralem Schaft sowie Alabasterfuß und -schale; er ist eine verkleinerte Version der Marmorausführung (Verbleib unbekannt) für den Sammler, Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Gutmann, der 1909 eine der frühesten Würdigungen des Künstlers verfasst hatte. 1910 hieß es schwärmerisch über den Tafelaufsatz: „Knaben und Mädchen in der ersten knospenden Jugendschönheit umdrängen den Schaft des Kandelabers oder der Schale mit Karyatidengebärden und das wundervolle Ensemble ergibt Profile von einem unsagbaren Reiz“ (Maximilian Rapsilber, Ernst Moritz Geyger, in: Kunst und Künstler, 8. Jg. [1910], S. 627). Die jugendstilhafte Komposition der ineinander verschlungenen Aktfiguren wird durch die wenig anmutige, harte Körpermodellierung gebrochen und steht damit stilistisch Geygers in der Nationalgalerie verwahrten monumentalen Marmorfiguren „Arbeit“ und „Fleiß“ (1904, B I 352, B I 303) nahe. | Yvette Deseyve