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Die Jagd nach dem Glück

Ident. Nr.: A I 40

ObjID: obj:958495

Details (Expert)

Beteiligte
Rudolf Friedrich August Henneberg (1825 - 1876),
Maler*in
Datierung
1863-1868
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 200 x 383 cm
Erwerbung
1868 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

In der Bildidee zeigt sich Hennebergs Geistesverwandtschaft mit seinem Freund Gustav Spangenberg, der in ähnlicher Weise Allegorien auf das menschliche Schicksal in das Gewand der ›Landsknechtzeit‹ kleidete (vgl. »Zug des Todes«, 1876, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 242). Ein Edelmann jagt »auf abgetriebenem Pferde dem Trugbild der Fortuna nach. An der über den Abgrund führenden Brücke ist ihm sein guter Engel in Gestalt einer Jungfrau warnend entgegengetreten; sie liegt überritten am Boden; der Teufel, der den Glücksritter begleitet, verwandelt sich in den Tod« (M. Jordan, Beschreibendes Verzeichniss der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie, Berlin 1876, S. 75). Die Arbeit an der Komposition wurde in Italien begonnen, in München weitergeführt und in Berlin vollendet.
Die im Vergleich zum »Wilden Jäger« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 233) zeichnerisch scharfe Form, die buntere Lokalfarbigkeit dieses Bildes bedeutet einen Rückgriff auf die deutsche akademische Tradition, den Hermann Riegel mit dem Münchner Aufenthalt in Zusammenhang gebracht hat (vgl. H. Riegel, Rudolf Henneberg, in: Kunstgeschichtliche Vorträge und Aufsätze, Braunschweig 1877, S. 383). Die ersten Entwürfe bis hin zum großformatigen Karton im Maßstab 1:2 (Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig) zeigen eine abweichende Komposition. Der Tod sitzt dort mit auf dem Pferd des Ritters, das liegende Mädchen fehlt. Die später veränderte Bildkonzeption erscheint ungleich stärker moralisierend: Aus einem untrennbaren Begleiter des Menschen verwandelt sich der Tod in einen Verfolger und Gegenspieler, zugleich wird das Problem der Entscheidung zwischen Gut und Böse thematisiert und damit das Problem der Willensfreiheit des Menschen.
Der Bildtitel wurde gegen Ende des Jahrhunderts mehrfach wiederverwendet: so von Georges Rochegrosse für das aufsehenerregende symbolische Gemälde »La course au bonheur« (vor 1896) und von Franz von Stuck für den zurückgewiesenen Entwurf eines Deckenbildes für das Reichstagsgebäude (1899). Die Komposition Hennebergs, erlangte bald große Popularität. Hermann Riegel stellte ausdrücklich die Parallele zu »Hunderten und Tausenden unserer Zeitgenossen« her, den Wirtschaftskapitänen der Gründerjahre, die »dem schmeichlerischen Trugbild irdischen Glückes nachgejagt« sind, »unbekümmert um das Schicksal der Ihrigen, unbekümmert um das eigene Heil, bis sie denn mit furchtbarem Krach aus der schwindelhaften Höhe in den furchtbaren Abgrund stürzten« (H. Riegel, Rudolf Henneberg, in: Kunstgeschichtliche Vorträge und Aufsätze, Braunschweig 1877, S. 383). Auch Karikaturen spielten auf die Komposition an: zum Beispiel im »Kladderadatsch« (Ausgabe vom 22.10.1905, 58 Jg., Nr. 43, 1. Beiblatt; Ausgabe vom 30.9.1906, 59 Jg., Nr. 39) oder im »Simplicissimus« (Ausgabe vom 22.9.1930, 35. Jg., 1930, Nr. 26, mit einer Karikatur von Thomas Theodor Heine, die Hitler als Fortuna zeigt, gefolgt von SA-Männern). – Eine Ölskizze im Musée des Beaux-Arts, Dijon. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Hans Rosenhagen

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Das Jahr 1899 war für den Maler Lovis Corinth von entscheidender Bedeutung. Die Jury der Münchner Secession, der er seit ihrer Gründung 1892 angehörte, wies sein Bild »Salome mit dem Haupte des Johannes« (Harvard University, Cambridge, Massachusetts) von ihrer Ausstellung zurück. Walter Leistikow jedoch, der gerade in München für die neugegründete Berliner Secession warb, war von dem Bilde begeistert und erbat es für die nächste Ausstellung dort. Corinths Übersiedelung nach Berlin war angebahnt.Das Jahresende 1899 verbrachte Corinth in Berlin. Er arbeitete in Leistikows Atelier in der Körnerstraße 26 an verschiedenen Porträts. Leistikow auch stellte den Kontakt zur Berliner Gesellschaft her. Am 28. Dezember berichtete Corinth nach München: »Durch die Salons schwimme ich wie ein Hecht, als wenn ich mich nie in anderen Kreisen bewegt hätte. Meine Erfolge hier habe ich Leistikow zu danken, bei dem ich auch viel bin« (L. Corinth, Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 58). Über Leistikow lernte Corinth den Berliner Kunstkritiker Hans Rosenhagen und dessen Mutter kennen. Rosenhagen war nicht nur Herausgeber der Zeitschrift »Das Atelier«, er schrieb Artikel zur Berliner Kunst für die Zeitschrift »Die Kunst für Alle«, später auch Rezensionen über die Ausstellungen der Berliner Secession und der Galerie Cassirer. Corinth malte Hans Rosenhagen (1858–1943) am 25. Dezember in dessen Berliner Wohnung (Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. A II 994). Mit merklich größerer malerischer Freiheit und Freude hatte er zuvor schon, im November, das Bildnis der Mutter gemalt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 532). Er hatte sie darum gebeten, wie überliefert ist, für dieses Bildnis ihr rot changierendes Kleid anzuziehen. Der warme Farbklang des Kleides wiederholt sich im Bild bei Tisch und Stuhl und dem Sofakissen und betont die Blässe des Gesichts. Dessen Tonigkeit variiert Corinth in der Decke und der hellen Gardine. Mutter Rosenhagen aber war mehr als ein Modell, wie wir aus einem Brief von Hans Rosenhagen an Charlotte Corinth von 1931 erfahren: Corinth »widmete ihr sogleich eine besondere Zuneigung, die aufrichtig erwidert wurde. Sah meine Mutter doch – sie stammte aus Westpreußen – in Corinth so etwas wie einen halben Landsmann« (Ch. Berend-Corinth, Lovis Corinth, München 1992, S. 219). | Angelika Wesenberg