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verhext – versteinert

Ident. Nr.: B 185

ObjID: obj:958515

1957 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Klee (1879 - 1940),
Künstler*in
Datierung
1934
Weitere Titel
Sammlungstitel: verhext – versteinert
Übersetzung: Bewitched – Petrified
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1934 - November 1935
Kommission: Daniel-Henry Kahnweiler (Galerie Simon), Paris,
November 1935 - 1937
Kauf: Karl Nierendorf, New York,
1937
Galka E. Scheyer, San Francisco,
1939 - max. 1945
Berggruen & Cie, Paris,
390655
Kauf: Lucie Dellstedt, Berlin,
1957
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1957–1968
Abmessungen
Höhe x Breite: 50,5 x 50,5 cm
Erwerbung
1957 Ankauf von Lucie Dellstedt, Berlin, durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Nachdem Klee im April 1933 durch die Nationalsozialisten fristlos aus seinem Lehramt an der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen worden war, verließ er im Dezember Deutschland und wurde in Bern ansässig. Im Mai 1934 schrieb er an seinen Freund Will Grohmann: „Die große Stille zwischen mir und Deutschland ist ja auch zu unheimlich, um für bar genommen zu werden. Unser Leben hier ist still und einfach. Ich habe mit ganz kleinem Orchester wieder einiges gemalt“ (Lieber Freund. Künstler schreiben an Will Grohmann, Köln 1968, S. 77 f.). „Verhext – versteinert“, das war Klees Eindringen ins Unterirdische, wo seltsame, böse Fabelwesen hausen, scheinbar verzaubert für alle Ewigkeit. Wer wird sie wann je erlösen? Das Eindringen aber auch in das Ich-Gestein des Malers, der früh schon, sich selbst erkennend, prophetisch geschrieben hatte: „Diesseitig bin ich gar nicht faßbar. / Denn ich wohne grad so gut bei den Toten, / wie bei den Ungeborenen. / Etwas näher dem Herzen der Schöpfung als üblich. / Und noch lange nicht nahe genug. // Geht Wärme von mir aus? Kühle?? / Das ist jenseits aller Glut gar nicht zu erörtern. / Am Fernsten bin ich am frömmsten“ (Paul Klee, Diesseitig bin ich gar nicht faßbar, 1920, in: ders., Gedichte, Frankfurt am Main 1991, S. 7). | Roland März

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz