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Landschaft bei Toledo

Ident. Nr.: A IV 480

ObjID: obj:958560

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Charlotte E. Pauly (1886 - 1981),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Landschaft bei Toledo
Übersetzung: Landscape near Toledo
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass der Künstlerin,
1981–1984
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 62,5 x 82,5 cm
Erwerbung
1984 Schenkung aus dem Nachlass der Künstlerin

Objektbeschreibung

Die aus Schlesien stammende Pauly hatte zunächst Kunstgeschichte studiert und sich erst nach ihrer Promotion zu einem Kunststudium an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule entschlossen. Dort unterrichtete sie von 1917 bis 1919 Bernhard Pankok, der sie zu einer großzügigen Flächenmalerei inspirierte. Ausgehend von einer Skepsis gegenüber der industrialisierten Großstadt und der Suche nach einem einfachen, natürlichen Leben unternahm Pauly ausgedehnte Reisen durch den Süden Europas und den Vorderen Orient. Im Frühjahr 1925 brach sie zum ersten Mal nach Spanien auf. Im folgenden Jahr wurde sie in Madrid Schülerin von Daniel Vázquez Días, einem andalusischen Maler, der eine gemäßigte Moderne vertrat. Unter seinem Einfluss fand Pauly zu klaren, flächenbetonten Bildkompositionen mit schwingenden, linearen Formen. Auch begann sie, die vorwiegend hellen Ölfarben stark zu verdünnen, um den Gemälden eine matte, erdhafte Tonalität zu geben. Die Ansicht der „Landschaft bei Toledo“, die 1926 in Madrid entstand, lässt diese Werkentwicklung deutlich erkennen. Ihren Eindruck von Toledo, den Pauly hier wiederzugeben versuchte, hielt sie auch in ihrem Reisetagebuch fest: „Als […] im Morgenlicht jene grauen Granitberge auftauchten, deren Flanken wie mit einem Diamanten kantig geschliffen sind und auf einem von ihnen Toledo, das angeschwärzte Schwefelgelb seiner Häuser, die schwarzen eisernen Stachelkränze des Kathedralenturms, die Brücken und ihre gebieterischen viereckigen Türme an den Enden, da dünkte ihr dies eine Erscheinung aus der Unterwelt oder ein aufgelebtes altes Pergamentbild“ (Charlotte E. Pauly, Die glückliche Halbinsel, Straßburg 1928, S. 61 f.). | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz