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Kleine Stehende im Hemd

Ident. Nr.: o.Nr.

ObjID: obj:958707

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gerhard Marcks (1889 - 1981),
Künstler*in
Datierung
1932
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kleine Stehende im Hemd
Übersetzung: Small Standing Figure in a Gown
Material / Technik
Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 34,5 x 9 x 7 cm
Erwerbung
1984 Geschenk aus Privatbesitz

Objektbeschreibung

Als „Kl. Stehende (Jalowetz) im Hemd“ bezeichnete Marcks die im Werktagebuch für „Gyps & Bronze 1919–1934“ unter Nummer 114 gelistete Figur (Archiv Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen). Die Statuette eines jungen Mädchens mit knöcheltiefem, langärmeligem Hemd, die mit beiden Händen die Haare zu ihrer linken Seite rafft, zählt zu einer umfangreichen Werkgruppe aus Plastiken, Zeichnungen und Druckgrafiken, mit welcher der Bildhauer in den 1930er-Jahren die Textilkünstlerin Trude Jalowetz (später verheiratete Guermonprez; 1910–1976) wiedergab. Ab September 1931 entstanden in nahezu wöchentlichen Modellsitzungen auf Gut Gimritz, dem Wohnort Marcks’ während seiner Lehrtätigkeit in Halle, zahlreiche Skizzen – und eine enge Verbindung Jalowetz' mit Marcks und seiner Familie. Das Originalgipsmodell der „Kleinen Stehenden im Hemd“ befand sich zunächst in der Berliner Gießerei Noack. Ob es sich bei dem vorliegenden Exemplar um dieses Modell handelt, kann nicht abschließend geklärt werden. Höhepunkt der Serie nach Jalowetz und gleichzeitig Inbegriff von Marcks’ stillem Protest gegen das nationalsozialistische Regime ist die verschollene, einst der Nationalgalerie gehörende Figur „Still allein“ (B I 554). Offensichtlich war auch das Originalgipsmodell zeitweise in der Nationalgalerie, als Leihgabe (SMB-ZA, I/472, J.-Nr. 1933/538, sowie das genannte Werktagebuch, Nr. 114). Bereits 1932 nach der Jüdin Jalowetz modelliert steht die in sich ruhende Figur programmatisch für Marcks’ „innere Emigration“ während der Zeit der NS-Diktatur. Die Nationalgalerie tauschte sie beim Künstler gegen dessen heute im Angermuseum Erfurt befindliches Werk „Griechinnen“ (1931) ein. | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz