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Winterlandschaft

Ident. Nr.: B 184

ObjID: obj:958829

1957 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Louis Vivin (1861 - 1936),
Künstler*in
Datierung
um 1900-1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Winterlandschaft
Übersetzung: Winter Landscape
Provenienz
„früher Berlin Privatbesitz“,
393325
Galerie Gerd Rosen, Berlin,
1957
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1957–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 50 x 61 cm
Erwerbung
1957 Ankauf von der Galerie Gerd Rosen, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Als der in Paris tätige Kunsthistoriker und Galerist Wilhelm Uhde 1924 auf die Bilder des bis dato unbekannten Vivin aufmerksam wurde, war dieser schon im Pensionsalter. Der französische Postbeamte hatte bereits in seiner Jugend zu malen begonnen. Die Motive fand Vivin im unmittelbaren Umfeld seiner Pariser Wohnung hinter dem Montparnasse, auf Ansichtskarten sowie in Gegenden, die er als Postbote mit dem Zug durchfuhr und zeichnerisch erinnerte. Erst im Ruhestand entschloss er sich – vermutlich auch, um seine Rente aufzubessern –, seine Bilder zu verkaufen. Uhde präsentierte die Werke Vivins 1928 in Paris in der programmatischen Gruppenausstellung „Les Peintres du Cœur sacré“ (Die Maler des heiligen Herzens). Hier zeigte er zudem Arbeiten weiterer Autodidakten wie des Zollangestellten Henri Rousseau und der Putzfrau Séraphine Louis und etablierte bald in diesem Zusammenhang den Begriff „naive Kunst“. Die Kleinteiligkeit und Einfachheit, mit der Vivin seine „Winterlandschaft“ ausgeführt hat, sind charakteristisch für die Malerei künstlerischer Laien: penibel wiedergegebenes Mauerwerk einer schablonierten Stadtarchitektur unter Vernachlässigung perspektivischer Gesetzmäßigkeiten. Die „Winterlandschaft“ ist reine Fläche. Der minutiös getupfte Farbauftrag als Schneebedeckung und die akribische Ausführung des blattlosen Geästs ordentlicher Baumreihen komplettieren diesen naiven Stil ebenso wie die unbeholfene Darstellung eines Pferdes, dessen Vorderbeine eher an die Gliedmaßen von Menschen denken lassen. | Janet Röder

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz