Beweinung (Kreuzigung)
Ident. Nr.: NG 51/86
ObjID: obj:958889
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1984
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Beweinung (Kreuzigung)Übersetzung: Lamentation
- Provenienz
- Galerie Michael Werner, Köln,
783298Galerie Springer, Berlin ,
1986 - Material / Technik
- Gouache auf Papier
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 294 x 482 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/958889
Objektbeschreibung
Schon 1958 setzte sich der damals 17-Jährige während eines längeren Aufenthalts im Kloster Maria Laach intensiv mit religiösen Themen auseinander. Die „Beweinung“ (WVZ Galerie Werner 591/E) von 1984 setzt die Kenntnis der mittelalterlichen Bildtradition voraus. Lüpertz malt hier aber gewissermaßen „mit“ dieser Tradition im Rücken „gegen“ diese Tradition an. Die dreiteilige Bildform ist dem gemalten oder geschnitzten Altaraufsatz (Retabel) entlehnt, der in der Regel als gemaltes Triptychon mit Mittelteil und zwei klappbaren Flügeln ausgebildet ist. Als „Pathosformel“ (Aby M. Warburg) signalisiert die Bildform per se höchsten, quasisakralen Anspruch. Die extreme Aufladung von Thema und Bildform nutzt Lüpertz gewissermaßen als Spannungs- oder Kraftfeld, nicht um sich davon tragen zu lassen, sondern um im Gegenteil das Malerische als Widerstand und Eigenwert zur Geltung zu bringen, solchermaßen in einen eigenen Raum zwischen freier und engagierter Malerei vordringend. Entsprechend hat Lüpertz eine reine „Kunst um der Kunst Willen“ als „unnötig“ bezeichnet und sucht beständig den Konflikt mit der geradezu als „Terror“ empfundenen Macht der großen Themen – hier konkret der Beweinung Christi. Mithilfe eigentümlicher Grafismen, etwa der aus dem Melonenschnitz entwickelte Linien-Kringel, der rückwärtig durch einen Bogen geschlossen ist – eine Form, die nichts real Existierendes bezeichnet, – gelingt es Lüpertz, Körper, Figuren, Szenerien zu malen, die nur als Malerei existieren und eigentlich weder beschreibbar noch definierbar sind. Die „Fleischwerdung des Wortes“ und die „Erlösung der Menschen durch Christi Opfertod aus Mitleid mit der sündigen Kreatur“ sind die dogmatischen Glaubensformeln, gegen, mit und in denen die Lüpertz’schen Gebilde ihr vitales Eigenleben behaupten. | Oliver Seifert
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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