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Mann mit Puppe

Ident. Nr.: B 1058

ObjID: obj:959029

1974 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Datierung
um 1922
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mann mit Puppe
Übersetzung: Painter with Doll / Self Portrait with Doll
Provenienz
Wihelm Kreis, Dresden,
1920er Jahre - wohl bis 1933
Herbert Kurz, Meerane/Sachsen,
wohl nach 1933 - bis max. 1948
Kauf: Wilhelm Grosshennig, Chemnitz/ab 1951 Düsseldorf,
spätestens 1948 - 1953
Auktion: Auktion Ketterer, Stuttgart, kein Verkauf,
1950
Chichio Haller, Zürich,
391542
Justin K. Thannhauser, New York,
391543
Joseph H. Hazen, New York,
1955–1974
Galerie Beyeler, Basel,
1974
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 85 x 120 cm
Erwerbung
1974 Ankauf über die Galerie Beyeler, Basel, durch das Land Berlin mit Mitteln des Landes Berlin und der Deutschen Klassenlotterie

Objektbeschreibung

Kokoschka hatte im Sommer 1918 in Dresden eine Ausstellung der Münchner Malerin Hermine Moos gesehen. Bei ihr bestellte er eine lebensgroße und möglichst echt wirkende Puppe von Alma Mahler (1879–1964). 1912 hatte er die Witwe des ein Jahr zuvor verstorbenen Komponisten Gustav Mahler durch einen Porträtauftrag kennengelernt. Es entspann sich eine kompliziert-leidenschaftliche Beziehung, die nach zwei von Kokoschka ungewollten Schwangerschaftsabbrüchen damit endete, dass Alma Mahler den Architekten Walter Gropius (nach der Scheidung von ihm Franz Werfel) heiratete und Kokoschka sich bald nach Kriegsbeginn in selbstmörderischer Absicht zum Einsatz an die Front meldete. Er verarbeitete die Trennung von der als anderes Selbst empfundenen Geliebten unter anderem in den Dramen „Hiob“ (1917) und „Orpheus und Euridice“ (1918). Die nach seinen Vorstellungen geschaffene Puppe erlaubte gewissermaßen – nur halb ironisch – in effigie wieder von dieser Identifikation zurückzutreten. Der Zeigegestus auf das Geschlecht ist womöglich als anklagender Hinweis auf die „Wunde“ der Verfallenheit an Alma Mahler zu verstehen. Jene Geste entspricht dem deutenden Finger auf Kokoschkas Selbstbildnis für die erste Nummer von Herwarth Waldens Zeitschrift „Der Sturm“ von 1910. Dort weist der Dargestellte als weltlicher Schmerzensmann auf eine (damals noch imaginierte – vgl. „Die Jagd“, A III 467) Seitenwunde. Das Motiv dieser Lithografie wiederholte Kokoschka ein Jahr nach dem Selbstporträt mit Puppe in einem Ölbild („Der Maler II“, WVZ unter www.oskar-kokoschka.ch [12.2.2021], 1923/9). | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz