Logo

Erotik

Ident. Nr.: NG 111/81

ObjID: obj:959054

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Rudolf Belling (1886 - 1972),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Erotik
Übersetzung: Eroticism
Geografische Bezüge
Provenienz
Rudolf Belling Archiv, Krailling,
1972–1981
Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen,
1981
Material / Technik
Gold auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 32,4 x 30,5 x 24 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Graphischen Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen, mit Mitteln aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Formal schließt Bellings „Erotik“ an seinen „Dreiklang“ (B I 449) an, jedoch sind einzelne Details der zunächst abstrakt wirkenden Komposition deutlicher als figürliche Elemente lesbar. Die als Kreis um einen Hohlraum angelegte Gesamtform entpuppt sich als plastische Ausdrucksformel sexueller Vereinigung. Während im unteren Bereich ein weiblicher Körper durch die Rundungen hervorquellender Brüste und geöffneter Schenkel erkennbar ist, wird die männliche Figur darüber durch spitze Formen und die scharfe Kante eines gespannten Rückgrats charakterisiert. Im Zweikampf von Lust und Gewalt miteinander verklammert, führt die Figurengruppe ein Thema fort, das Belling schon 1916 in „Mann und Weib (Diagonalkomposition)“ sowie „Kampf“ (beide Rudolf Belling Archiv, Krailling) bearbeitet hatte und dem sich 1919/1920 auch die beiden Novembergruppen-Mitglieder Oswald Herzog und Herbert Garbe widmeten. Es entsprach der von Friedrich Nietzsche und Henri Bergson geprägten Auffassung einer dualistischen Welt mit passiven und aktiven Energien, welche die expressionistischen Künstler massiv beeinflusst hatte. Belling, der sich von dem „sentimentalen Geistesschwindel der modernen Schlagwortrichtungen“ distanzierte, schrieb im Entstehungsjahr des Werkes launig an seinen Galeristen, Alfred Flechtheim: "'Erotik', na, das hat jeder mit sich abzumachen. Ich bin vor Jahren an den Ufern eines Krötenpfuhls zur Brunstzeit dazu inspiriert worden. Ein Nervenleidender war meine Begleitung; der Empfindsame zitterte noch stundenlang, nachdem wir den Teich verließen“ (zit. nach Das Kunstblatt, 4. Jg. [1920], H. 12, S. 376). | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz