Logo

Bergarbeiter vor der Einfahrt

Ident. Nr.: B I 477

ObjID: obj:959091

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Koelle (1895 - 1953),
Künstler*in
Datierung
1927 (Guss 1928)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bergarbeiter vor der Einfahrt
Übersetzung: Miner before the Descent
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 194 x 79 x 68 cm (inkl. Plinthe)
Erwerbung
1927 Ankauf vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Koelle studierte von 1916 bis 1923 an der Akademie der bildenden Künste in München, unter anderem als Meisterschüler von Hermann Hahn. 1921 wurde er Mitglied der Münchner Neuen Secession und begann, Studienfahrten ins Saarland zu unternehmen, in dem Zehntausende im Kohlebergbau beschäftigt waren. Über die Entstehung des „Bergarbeiters vor der Einfahrt“ schrieb Paul Ortwin Rave, damals Mitarbeiter der Nationalgalerie: „Nach den in der Grube St. Ingbert bei Saarbrücken gefertigten Zeichnungen entstand das Gipsmodell 1927 in München, kam auf die Herbstausstellung der [Berliner] Akademie und wurde im Auftrag des preußischen Staates in Bronze gegossen“ (Ludwig Justi [Hrsg.], Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin 1928, S. 161). Koelle wurde nun als unpolitischer Realist wahrgenommen. Sein nicht heroisierter „Bergarbeiter“, erkennbar an der Grubenlampe, steht entspannt und abwartend, die detaillierten Gesichtszüge strahlen Ruhe aus. Durch die Wahl, ihn vor Schichtbeginn zu zeigen, musste Koelle die Härte der körperlichen Arbeit nicht interpretieren. Nach dem Erwerb der Statue durch die Nationalgalerie war diese zunächst in Berlin zu sehen und gelangte dann als Dauerleihgabe in die Stadt Brandenburg. 1942 wurde einer Aufforderung, sie und Karl Janssens „Steinklopferin“ (1902, B I 189) als kriegsbedingte Metallspende abzuliefern, widersprochen, da beide Werke künstlerisch zu wertvoll seien (SMB-ZA, I/NG 46, Bl. 197 f.). In der DDR würdigte man den „Bergarbeiter“ unter anderer kunstideologischer Perspektive weiterhin, wie die Aufstellung am Amtssitz des Staatspräsidenten Wilhelm Pieck zeigte. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz