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Weihe

Ident. Nr.: NG 68/61

ObjID: obj:959108

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oswald Herzog (1881 - 1946),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Weihe
Übersetzung: Consecration
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 48,5 x 49,5 x 15,5 cm
Erwerbung
1961 Ankauf von Herrn Olaf Lemke, Berlin

Objektbeschreibung

Als gelernter Stuckateur kam Herzog 1899 nach Berlin und besuchte dort verschiedene Kunst- und Handwerksschulen. Er trat auch durch Publikationen hervor, etwa 1914 durch die Schrift „Der Rhythmus in Kunst und Natur“. Darin übertrug er die vitalistische Lebensphilosophie Henri Bergsons auf die expressionistische Kunst. Im Kreis von Herwarth Waldens Galerie Der Sturm wurde Herzog zum Bewegungsplastiker, viele seiner Figuren wirken wie Ausdruckstänzerinnen. Körperliche und geistige Spannung manifestieren sich auch in der sehnig schlanken, kniend zurückgebeugten Holzplastik, deren geneigter Kopf in eine aus den Armen gebildete Rautenform hineinragt. Der Kunstkritiker Alfred Kuhn beschrieb den „bei langem Radius feierlich aufsteigende[n] Bogen. In ihn eingeordnet eine menschliche Gestalt, einzig Objekt des einen Rhythmus. Die Arme schließen sich über dem Kopf, gleichsam um die strömende Bewegung zu halten und zurückzuleiten, auf daß das Gefühl hier dauere, fruchtbar werde, nicht in die Höhe verfließe“ (Alfred Kuhn, Die absolute Plastik Oswald Herzogs, in: Der Cicerone, 13. Jg. [1921], H. 8, S. 252). In einer Steinfassung 1920 unter dem Titel „Weihe“ ausgestellt, bleibt diese Figur der menschlichen Physis verpflichtet, während fast zeitgleich entstandene Werke des Künstlers wie „Ich“ (ehemals in der Sammlung der Nationalgalerie, seit 1941 verschollen) oder „Verzückung“ (Kunsthalle Mannheim) psychische Energien in einer Weise zum Ausdruck bringen, die Herzog mit dem Begriff „abstrakter Expressionismus“ zu fassen suchte (Der Sturm, 10. Jg. [1919], H. 2, S. 29). | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz