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Leipziger Passagen III

Ident. Nr.: A IV 619

ObjID: obj:959118

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wolfram Ebersbach (1943 -),
Künstler*in
Datierung
1985
Weitere Titel
Sammlungstitel: Leipziger Passagen III
Übersetzung: Leipzig Passages III
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 60,5 cm
Erwerbung
1989 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Raum und Licht sind die bestimmenden Größen in Ebersbachs Malerei. Die Motive für die zahlreichen Stadtbilder fand er seit den 1980er-Jahren in seinem Wohn- und Schaffensort Leipzig. Mit Unterführungen, Tunneln, Höfen, Bahnhofshallen und Passagen führt Ebersbach ins Innere der Stadt, an Orte der alltäglichen Wege wie auch der Begegnung, des Wartens oder genießerischen Flanierens. Niemals nimmt er etwa Bauornamentik oder Schaufensterauslagen in seine Gemälde auf. In lockerem Gestus konstruiert Ebersbach die Räume formal vereinfacht und farblich verhalten aus breiten schwarzen Pinselstrichen. Durch Fenster und Zugänge fällt bläulich-weißes Licht in das kühle Halbdunkel. Die faszinierende, mitunter unheimliche Räumlichkeit formt sich aus der perspektivischen Anlage, den tektonischen Achsen und kräftigen Hell-Dunkel-Kontrasten dieser Bilder. Der städtische Raum wird zur Ausdrucksform einer inneren Verfasstheit. Damit hebt sich Ebersbachs Schaffen deutlich von der seit Mitte der 1960er-Jahre für ihre allegorischen Weltdeutungen bekannten Malerei der sogenannten Leipziger Schule ab. Gingen die ihr zugeordneten Maler stets von der menschlichen Figur aus, tritt diese bei Ebersbach nur schemenhaft in Erscheinung. Wo sie in Bewegung ist, verschwimmt sie in der Unschärfe einer Langzeitbelichtung. Eine leise Melancholie und ein Anflug von urbanem Unbehagen durchziehen diese Orte. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz