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Rudolf Walter Hirschberg

Ident. Nr.: B II 62

ObjID: obj:959290

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georges Salendre (1890 - 1985),
Künstler*in
Datierung
um 1945-1950
Provenienz
Nina Schröder-Grünbaum,
1966
Material / Technik
Stein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 30 x 21 x 26 cm
Erwerbung
1966 Geschenk von Nina Schröder-Grünbaum, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Salendre und den Berliner Komponisten und Musikkritiker (Rudolf) Walther Hirschberg (1889–1960) einte eine Geschichte des Mutes und des Widerstands. Als Jude wurde der Chefredakteur der Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ 1933 seines Jobs enthoben. Vorerst noch als Musikkritiker tätig, blieb Hirschberg ab 1935 lediglich der Beruf des Musiklehrers. 1938 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Nach seiner Entlassung dort emigrierte er nach Frankreich, wo er zu Kriegsbeginn allerdings als „feindlicher Ausländer“ interniert wurde. Es gelang ihm zu fliehen, und bis Kriegsende konnte er sich bei Salendre in Lyon verstecken. Der gelernte Steinmetz Salendre, der an der École des Beaux-Arts in Lyon Bildhauerei studiert hatte, war Mitglied der Ziniars-Gruppe und Mitbegründer des Salon du Sud-Est gewesen. 1940 schloss sich der Pazifist der Résistance, hier der Franc-Tireur-Bewegung, an. Sein politisches Engagement schlägt sich in der Monumentalität seiner Werke nieder, die sich später dem Réalisme socialiste zuordnen lassen. Nach dem Krieg trat Salendre der Kommunistischen Partei bei und wurde in Lyon zum Stadtrat gewählt. Zugleich schuf er bildhauerische Werke für kommunistisch geführte Gemeinden. Hirschberg blieb nach Kriegsende in Lyon und war für den Rundfunk tätig. 1958 kehrte er nach Berlin, in den Westteil der Stadt, zurück. | Johanna Yeats

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz