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Der 70. Geburtstag des Waldarbeiters Scharf

Ident. Nr.: A II 1021

ObjID: obj:959294

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Nagel (1894 - 1967),
Künstler*in
Datierung
1934
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der 70. Geburtstag des Waldarbeiters Scharf
Übersetzung: The 70th Birthday of the Lumberman Scharf
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1951
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100,5 x 70,5 cm
Erwerbung
1951 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Äußerst ungewöhnlich hat Nagel 1934 den Waldarbeiter Scharf dargestellt, auf den er – folgt man den Erinnerungen des Künstlers (Otto Nagel, Mein Leben, in: ders., Leben und Werk, Berlin [Ost] 1952, S. 38) – bei einem Spaziergang durch den Veltheimschen Gutswald bei Glienicke an der Nordbahn getroffen war. Zu sehen ist der alte Mann vor dem Ausschnitt einer weißen Fachwerkhütte, in Arbeitskleidung gleichwohl entspannt in einem barockisierten Lehnstuhl sitzend. Er füllt, frontal aus dem Bild blickend, den Bildraum nahezu komplett aus. In der rechten Hand hält er seinen zerbeulten Hut, in der linken einen Regenschirm, der ihn vor der Sonne schützen soll. Alles habe falsch gewirkt, wie sich Nagel rückblickend in seinen Erinnerungen über diese Begegnung erinnerte: „Die ganze Art des Menschen paßte gar nicht zu dieser geruhsamen Stellung. Alles stand im Widerspruch. […] Verschmitzt deutete er mir die Situation. Er hatte heute seinen 70. Geburtstag. So lange er zurückblicken konnte, saß er das erstemal untätig an einem Werktag da. Er schien das selbst nicht zu begreifen“ (ebd.). In der Tat ist das Porträt des Waldarbeiters Scharf wohl eines der ungewöhnlichsten Bildnisse eines Arbeiters überhaupt, lässt es sich doch als solches ohne den Titel gar nicht identifizieren. Ganz im Gegenteil gleicht der Dargestellte auf seinem „Thron“ auf den ersten Blick einem unter einem Baldachin sitzenden Herrscher – eine Assoziation, die Nagel in ihrer ganzen Ambivalenz und sozialen Aussagekraft sicher bewusst anregen wollte. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz