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Brettheim 1945

Ident. Nr.: A IV 42

ObjID: obj:959332

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Albert Heinzinger (1911 - 1992),
Künstler*in
Datierung
1960
Provenienz
Kulturfonds der DDR,
1964
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 115 cm
Erwerbung
1964 Überweisung durch den Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Im April 1945 wurden Mitglieder der Hitlerjugend in die Gemeinde Brettheim geschickt, um die Dorfbewohner gegen die anrückenden US-amerikanischen Truppen zu bewaffnen. Die Brettheimer jedoch entwaffneten die Kinder, um einen sinnlosen Kampf zu verhindern. Beim anschließenden Verhör der SS bekannte sich Friedrich Hanselmann schuldig, weigerte sich aber, weitere Beteiligte zu nennen. Er wurde standrechtlich zum Tode verurteilt. Als der Bürgermeister, Leonhard Gackstatter, und der NSDAP-Ortsgruppenleiter, Leonhard Wolfmeyer, den Tötungsbefehl nicht unterschrieben, wurde auch ihnen der Prozess gemacht. Am 10. April 1945 wurden die drei Männer in Brettheim erhängt. Ihre Leichen durften erst vier Tage später abgenommen werden. Im Jahr 1948 begann ein Prozess gegen drei Mitglieder der SS, die Strafverfahren dauerten bis 1960. Im Entstehungsjahr von Heinzingers Gemälde war das Thema also nach wie vor aktuell. In einfachem, realistischem Malstil zeigt es die Füße der Erhängten vor einer weißen Mauer. Die Toten werden von zwei Soldaten mit Bajonetten, deren Silhouetten auf der Mauer erscheinen, bewacht. Heinzinger war in den 1930er-Jahren in sozialistischen Gruppen aktiv und von 1938 bis 1941 im KZ Papenburger Moor interniert gewesen. Später wurde er Gründungsmitglied der westdeutschen Künstlergruppe Neuer Realismus; seine Darstellungen von Arbeitern gehören zu seinen bekanntesten Werken. Heinzinger lebte in Bayern und hatte Ausstellungen in beiden deutschen Staaten – in der DDR wurde er als Antifaschist und Realist gewürdigt. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz