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Brüder, zur Sonne, zur Freiheit

Ident. Nr.: A IV 396

ObjID: obj:959381

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Fischer (1892 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1919
Weitere Titel
Sammlungstitel: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit
Übersetzung: To the Sun, Brothers, to Freedom
Provenienz
Olaf Junker, Berlin-Wilhelmshagen,
1979
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 116 x 106 cm
Erwerbung
1979 Ankauf von Olaf Junker, Berlin-Wilhelmshagen

Objektbeschreibung

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler hatte Fischer in Karlsruhe die Kunstgewerbeschule sowie die dortige Akademie besucht und seit 1913 freischaffend gearbeitet. Im April 1919 trat er gemeinsam mit Rudolf Schlichter, Georg Scholz und anderen als Gruppe Rih an die Öffentlichkeit. In ihrer Ausstellung in der Karlsruher Galerie Moos wurde „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ erstmals ausgestellt, allerdings unter dem Titel „Sonnenwärts“. Die prismatisch aufgefächerte Komposition voll glühender Farben zeigt abstrahierte Figuren, die mit ausgestreckten Armen zu einem goldenen Kreis emporstreben, in dem ein Auge erkennbar ist. Wenig später bildete der Kunstkritiker Adolf Behne das Gemälde unter dem Titel „Gebet“ ab und beschrieb es als „verzücktes, himmlisches Schweben in der Welt“ (Adolf Behne, in: Der Cicerone, 13. Jg. [1921], H. 7, S. 214). Die Mischung aus kosmischer Ekstase und revolutionärem Impetus ist charakteristisch für die offene politische Situation nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und die Hoffnung vieler Künstler auf eine befreite Gesellschaft. 1921 übersiedelte Fischer nach Berlin und konzentrierte sich auf gebrauchsgrafische Arbeiten für die KPD, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften. Vermutlich gab er erst in diesem Zusammenhang dem Bild einen neuen Titel. Dieser geht zurück auf ein russisches Arbeiterlied, zu dem der Dirigent Hermann Scherchen 1918 einen deutschsprachigen Text verfasst hatte. „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ wurde schon in der Weimarer Republik bekannt und entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Hymne der Arbeiterbewegung in der DDR wie in der Bundesrepublik. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz